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Archiv für 2012

Resümee Brummi

Seit Dienstagnachmittag sind wir nun wieder zurück in Deutschland – am Ende ging alles sehr schnell – leider.

So sitze ich nun hier zu hause am PC und schreibe diese Zeilen just zu dem Zeitpunkt, an dem wir eigentlich unseren Führer an der chinesischen Grenze treffen sollten. Dies war von Beginn an ein Fixdatum und wir hatten es mit dem Erreichen von Osh und Kirgistan schon so gut wie in der Tasche.

Dass es nun doch ganz anders gekommen ist, muss man einfach als Schicksal hinnehmen. Wer weiß, für was es gut ist.

Peppi hat auf die Zähne gebissen und alles versucht, aber wenns nicht mehr geht, gehts halt nicht mehr.

Die Reise würde kein Zuckerschlecken werden, das war uns von Beginn an klar. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass es so hart werden würde. Jeder Tag im Sattel war praktisch ein Kampf. Wir bekamen es mit Hitze bis an die 40° zu tun, mit Straßenverhältnissen, die sich hier in Europa wirklich kein Mensch vorstellen kann, mit Kälte, mit der Atemknappheit in der Höhe über 4000 m, mit heftigem Schneefall im Pamir und nicht zuletzt mit den ganzen Batterieproblemen der BMW zu tun. Jeder von uns hatte noch dazu eine knappe Woche mit mehr oder weniger schwerem Durchfall zu kämpfen und so sitze ich nun hier, über 5 kg leichter als bei der Abreise, mit meinem besten Judo-Kampfgewicht, das ich auch mit 18 Jahren schon hatte und ich mir nie im Leben vorstellen konnte, es noch einmal zu erreichen.

Wie kommt man bei all diesen Widrigkeiten dann aber dazu, in seinem Resümee festzuhalten, die Reise war der Hammer und hat alle Erwartungen übertroffen. Vor der Fahrt hat mir Erik, ein Freund aus Köln (www.motorradreisender.de) noch eine Email geschrieben: „Haut rein Jungs! Ich wünsche euch eine gute Reise und viele unerwartete Ereignisse.“ Wenn dir das Motorrad auf freier Strecke ins Usbekistan bei 35° plötzlich stehen bleibt oder du dann in Osh sitzt, nur noch 6 Tage Visum hast und hinten und vorne nicht weist, wie es weiter gehen soll, dann sind dies solche Ereignisse. Sie sind das Salz in der Suppe, das vergisst man sein Leben lang nicht mehr. Im Vorfeld bin ich immer wieder gefragt worden, was macht ihr, wenn das oder das passiert? Meine Antwort war immer die gleiche – das weiß ich nicht, da müssen wir dann schauen und eben improvisieren, irgendwie geht es immer weiter!

Obwohl wir die meiste Zeit im Zelt übernachtet haben, gab es nie Probleme mit der Sicherheit. Wir waren zu keinem Zeitpunkt irgendwie in Gefahr. Ich gebe zu, dass uns bei der einen oder anderen Polizeikontrolle, bei der offensichtlich war, da will jemand ein kleines Beibrot verdienen, oder bei den Grenzübergängen, mein Dienstausweis ein wenig hilfreich war. So blieben wir auch vor diesen Unkosten verschont, denn ein Kollega ist halt ein Kollega. Peppi hat ja als Schlusssatz in unserem Islandvortrag stehen. “ Reisen ist Gift für Vorurteile.“ Ich habe mein Meinung, vor allem über die Russen, total revidieren müssen. Fast nirgends fanden wir derart hilfsbereite Menschen. Wenn wir irgendwo nach dem Weg gefragt haben, dann wurde der uns nicht nur erklärt, fast immer ist man mit dem eigenen Wagen voraus gefahren und hat es uns an Ort und Stelle gezeigt. In Stalingrad haben  4 Studenten einen halben Tag geopfert, um mir bei der Reparatur meiner Brille zu helfen – natürlich umsonst, sie wollten nur so viel Info über Deutschland wie möglich.

Wir hatten in allen Ländern unzählige Kontakte mit freundlichen, netten und vor allem wissbegierigen Menschen. Wir bekamen tausende Daumen zu sehen, die nach oben zeigten und uns immer wieder klar machten, ihr seid hier willkommen, Respekt, dass ihr uns mit den Motorrädern hier besucht. In allen Ländern, die wir besuchten, genießt Deutschland ein sehr hohes Ansehen. Wenn ich nach den Unterschieden zu ihrem Land gefragt wurde, war meine Antwort fast immer gleich: “ Ihr habt die Ruhe weg, bei uns werden die Menschen krank vor Stress und weil sie nicht genug bekommen können.“

Doch wie geht es nun weiter? Wie bekannt konnten wir die Mopeds in Kirgistan zurück lassen und wir haben uns für 2013 drei möglich Alternativen überlegt:

1.) Wir beenden die Reise wie vorgesehen durch China und Tibet nach Kathmandu

2.) Sollte dies aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, werden wir versuchen, diesmal Visums für den Iran zu bekommen und durch den Iran und die Türkei heim reisen.

3.) Sollten die Visa auch im nächsten Jahr, wie schon heuer, verweigert werden, werden wir auf dem kürzesten Weg über Kasachstan und Russland, dies ist in knapp drei Wochen zu schaffen, zurück reisen.

Wir können zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht sagen, ob und in welcher Form wir über die Reise berichten werden oder ob wir den Abschluss 2013 abwarten werden.

Einreise in Kirgisistan

Über den Uy Bulog Pass führt die Grenze, ein sehr schmutziger Ausenposten. Grenzformalitäten werden weniger und wir sind so zügig aus Tadschikistan heraus. Zum Grenzposten Kirgisistans sind es noch fast 20 km lehmig-nasse Bergstrasse.
Aber nach nicht mal 20 Minuten Abfertigung können wir weiter fahren.
Die Strassen werden besser und besser. Bis zum ersten Pass, Baustelle und heftiger Regen fängt an, ja man hört richtig, zum ersten Mal richtiger Regen auf der Tour.
Solange die Baustelle ist, so lange dauert auch der Regen.
Anschliessend erfreuen wir uns wärmeren Temperaturen um zwanzig Grad und wirklich gut ausgebaute, breite Strassen.
Wir geben Gas, da wir den Urs, die Kontaktadresse, nicht warten lassen wollen und können uns nicht mal mehr richtig über die schöne Natur ergötzen. Fuss hat Vorrang.
Angekommen führt uns Urs zum Hotel.

Osh, für 2012 das Ende der Reise

Am nächsten Morgen fährt Urs mit mir zum Krankenhaus. Dort die Röntgenabteilung zu finden, ist selbst für den Schweizer, der hier lebt, nicht ganz einfach.
Endlich angekommen, erklärt er den Krankenhausbediensteten das Problem und geht dann wieder seinem Job nach.
Eine nette Krankenschwester, mit ein wenig Englischkenntnissen hilft mir dann durch den Wirr-Warr des Krankenhauses.
Der Arzt beim Röntgen hat eigentlich mehr Interesse an seinem Kreuzworträtsel als an meiner Aufnahme, sieht auch mit seiner Mütze aus wie ein Koch, und behandeln tut er sowieso nicht.
Also weiter zum nächsten.
Der Zeitgenosse ist dann der Wahnsinn. Witze über die Engländer, Franzosen und Amerikaner werden gerissen, seine vier Untergebenen müssen lachen. Bei der fünften Auskunft, ich sei Deutscher, Nemez, hat’s dann auch er kapiert.
Dafür quält er jetzt meinen Fuss, lässt irgendwas in kyrillisch schreiben und über die Krankenschwester übersetzen, dass der Fuss nicht gebrochen, aber an der Innenseite angebrochen wäre. Dann schickt er seine Bediensteten alle hinaus, um mir Extrageld abzuknöpfen, das schnell in seiner Hose verschwindet.
Mit Röntgenbild und einer Bestätigung, auf der irgendwas steht fahr ich mit dem Taxi zurück zum Hotel.

Hiobsbotschaft: Die Reise muss abgebrochen werden.
Wir entscheiden, die Mopeds hier einzustellen, um im nächsten Jahr die Reise fortzusetzen.

Abbruch der Reise

Da es mit meinem rechten Fuss nicht mehr möglich ist, mein Motorrad sicher zum Stand zu bringen, haben wir uns entschieden, die Reise abzubrechen.
Die Krads bleiben hier, da wir evtl. Die Reise im nächsten Jahr beenden wollen. Jetzt stehen sie einsam und verlassen in einem Container. Es tut schon ein wenig weh, sie da so zurück zu lassen.
ADAC, zum Schluss war’s ja eine gute Lösung, aber wenn Peter nicht so hartnäckig geblieben wäre, würden wir mit Sicherheit noch ein oder sogar zwei Tage hierbleiben müssen, und das ohne Unterkunft, da Osch komplett die nächsten zwei Wochen ausgebucht ist. So aber konnten wir gestern noch einen Flug buchen, der von Osch um 23:40 Uhr abfliegt und morgen nachmittags in München landen will.

Ich bin sehr traurig über den Ausgang der Reise und hoffe 2013 den Trip beenden zu können. Ein kleiner Unfall, der mehr ein Umfaller war, beendet einen Traum.

bis bald in Eichstaett

Peppi

Auf dem Weg ins Pamir Gebirge

Juheirassa, die ersten Berge, man wird bescheiden, sind ja nur Hügel. Wir freuen uns halt auf ein paar Kurven.

Die ersten Berge

Da kann eine Menge Wasser durchlaufen, aber jetzt, bei den üblichen 32 Grad, nee nee du!

Flussbett im Sommer

Grenzformalitäten haben wir hinter uns, wie üblich, Ausreise kein Problem, aber Einreise. Jeder will unsere Pässe sehen, kaum dass sie unsere Motorräder inspiziert haben. Und immer die gleiche Frage mit der gleichen Antwort.
„Woher?“
„Germania“
Und der letzte von den Burschen knöpft dann jeden auch noch 10US$ ab. Irgendwann dürfen wir dann doch weiterfahren und freuen uns mit der Landschaft.
Wir haben noch Zeit und bringen so noch einige Kilometer auf die Reifen.

Erstes Nachtlager in Tadschikistan

Erstes Nachtlager in Tadschikistan

Nach verzweifelter Suche nach geeignetem Nachtlager werden wir dann doch noch fündig.