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Archiv für die Kategorie „Reiseblog Südamerika“

13.06.2016 Die glorreiche Idee – so gehts doch!

Sonntag, 12.06. (56. Tag) und Montag, 13.06.16 (57. Tag)

Am nächsten Morgen war uns klar, mit dieser Kupplung schaffen wir die restlichen 700 km nie, wir müssen zurück. Gesagt getan.

Natürlich sind wir stinkesauer, denn der Salar und die Laguna Colorada wären sicher eines der großen Highlights der Reise gewesen. Ich dagegen bin froh, dass ich überhaupt noch fahren kann.

K1600_zoll

Am chilenischen Zoll werden wir nach Drogen beschnuppert, natürlich vom Vierbeiner

Dann hat Karl, als wir wieder in Chile, auf der Panamericana sind, die Idee der Reise: „Wir fahren nach San Pedro de Atacama hinauf und versuchen dort eine Jeeptour zum Salar zu bekommen.“

K1600_1

Am Montagabend kommen wir in San Pedro an, buchen auch gleich eine 4-tägige Tour für morgen und sind glücklich, dass es wenigstens so gekommen ist.

K1600_2

K1600_3Glücklich sind wir aber auch deswegen, da die Strecke hierher eine der schönsten war, die ich je gefahren bin – unglaublich!

13.06.2016 Out of Race – so hatten wir uns das nicht vorgestellt!

Samstag, 11.06.16 (55. Tag)

Weiter geht es in Richtung Süden, ich Richtung Salar der Uyuni. Wir möchten heute so nahe wie möglich an den größten Salzsee der Erde, den wir morgen überqueren wollen, heran kommen.

Schotter

Immer weiter

Wir wissen was auf uns zukommt und so kann uns nichts zermürben, keine noch so gehaßt Welchblechpiste und auch kein Sand, an den wir uns langsam gewöhnen. Stunde um Stunde geht es weiter und es ist schon fast 16 Uhr. Wir haben Santa Ana hinter uns gelassen und folgen der Piste, die auf einer Art Damm weiter in Richtung Süden verläuft. „Ihr müsst euch rechts halten,“ hat uns im letzten Dorf jemand gesagt. Plötzlich liegen auf der „Dammstraße“ drei kleine Steine quer und eine Fahrspur zweigt nach rechts ab. Auf Karls Handy, der sich die Googlemaps herunter geladen hat, ist diese Piste von Beginn an nicht verzeichnet. Wir haben keinen Anhalt mehr und folgen instinktiv der Dammstraße weiter. Aber schon nach wenigen Metern, es sind immer noch Fahrspuren vorhanden, geraten wir in ein Sandfeld. Wir kämpfen uns Meter um Meter weiter, denn wir denken, wir sind richtig.

Karl i sand

Karl im Sand

Ich halte an, Karl kommt nicht nach. Wahrscheinlich steckt er fest.

versenkt

Versenkt! Da hilft nur eins: Umkippen, Sand darunter schiebe, wieder aufrichten, doch kurz danach war Sense!

Ich versuche zu wenden und da passiert es. Ich bin im Sand, die Kupplung ist voll raus und ich versuche mit Gas und schieben der Beine, voran zu kommen und nicht stecken zu bleiben. Meter um Meter wühle ich mich weiter, doch plötzlich heult der Motor auf, die Kupplung geht leer durch. Ich halte sofort an und stecke fest.

Mir schießt nur ein Gedanke ins Hirn: „Die Kupplung ist hin!“. Ich bekomme Augenblicklich einen Hitze- und Adrenalinaustoß, wie ich ihn bisher nur in Asien erlebt habe, als meine Batterie den Geist aufgegeben hat. Das kann sich keiner vorstellen – ich garantiere, da kommt kein Bangiejumping oder sonst was ran, das haut dermaßen rein, dass du dir die Jacke vom Leib reißen musst, um überhaupt noch Luft zu bekommen.

Ich gehe zurück und finde Karl, dessen GS umgekippt ist. Wir richten sie auf und er geht mit mir zur Queen, die im Sand steckt. Ich hoffe, dass die Kupplung nur überhitzt war und starte sie, aber die Kupplung geht leer durch. Out of Race – Geschrottet – das sind meine Gedanken! Nach wenigen Minuten, als ich wieder halbwegs klar denken kann, versuche ich, die Kupplung am Hebel zu verstellen. Ich drehe das Stellrad ganz nach innen und …. Gott sei Dank, auf den letzten Millimetern, greift sie. Mit letzter Mühe und Kraft kommen wir beide wieder aus dem Sandfeld heraus und schlagen unser erstes „Salzlager“ auf.

Sazllager

Erstes Lager im Salz –  die Queen lebt noch

 

Noch an diesem Abend wird und klar: mit dieser zu 90% geschassten Kupplung brauchen wir, da uns noch reichlich Sand erwartet, nicht weiter fahren, wir müssen zurück.

13.06.2016 Chile, aber nur kurz

Donnerstag, 09.06 (53. Tag) – Freitag, 10.06.16 (54. Tag)

Früh haben Karl und ich Arequipa verlassen. Nach 60 km sind wir wieder auf der Panamericana und der Verkehr wird schnell weniger. Es ist einfach ein unglaublicher Genuß, sich auf dieser Straße durch die schnell wechselnden Landschaften dahintreiben zu lassen.

Mittags mache ich Karl den Vorschlag, vor der chilenischen Grenze zu zelten, doch er meint: „Warum zelten wir nicht in Chile?“

K1600_chile

„Dann müssen wir aber Gas geben,“ erwidere ich und es geht weiter. 420 km werden es an diesem Tag und gegen 14:30 erreichen wir die Grenze. Es wird fast ein Rekord, denn schon um 15:45 haben wir alles hinter uns. Wir drehen die Uhr eine Stunde vor, 16:45, sind jetzt wieder nur noch 6 Stunden hinter Deutschland zurück und finden nach wenigen Kilometern kurz vor Arica einen traumhaften Zeltplatz direkt am Pazifik.

Am Pazifik

K1600_pazifikK1600_traumzeltpkatzK1600_TreibholzfeuerEtwas Wehmut schwingt schon mit, als wir Peru verlassen. Es war ein fantastisches Land, von dem uns die netten Leute, die unvergleichlichen Landschaften und die alles überragenden Suppen sicher lange in Erinnerung bleiben werden.

Am nächsten Morgen biegen wir gleich wieder in Richtung Berge, in Richtung Altiplano und Salar de Uyuni, in Richtung Peru ab. Dies alles ist nur ein erstes Herantasten an Chile, nur 185 km, dann sind wir schon wieder in Bolivien. Aber dieses kurze Hereinschnuppern zeigt uns schnell, Chile ist weiterentwickelt als Peru, kein Vergleich zu Bolivien. An jeder Straßenecke stehen Wegweiser, sogar mit Kilometerangaben, darauf mussten wir lange verzichten, aber wir haben gelernt, es geht auch ohne.

Gegen 14:30 Uhr erreichen wir die bolivanische Grenze und zwei Stunden später sind wir wieder im wahrscheinlich ärmsten Land Südamerikas.

K1600_Vulanke

Die erste Vulkane

Unmittelbar hinter der Grenze beginnt es dann, unser großes Schotterabenteuer Altiplano, das uns bis an den Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde und weiter die Lagunenroute bis nach San Pedro de Atacama führen soll. Fast über 1000 km Schotter, doch heute werden es nur noch 25 und wir schlagen das Lager auf. Nachts wird es empfindlich kalt, der Wassersack ist am nächsten Morgen dick gefroren, aber darauf sind wir in unseren warmen Schlafsäcken vorbereitet.

K1600_Schotter

Schotter, Schotter, Schotter …

08.06.2016 Arequipa – die weiße Stadt

Mittwoch, 08.06.16 (52. Tag)

Arequipa ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus. Beherrscht wird die Stadt vom 6075 m hohen Nevado Chachani. Durch die Nähe weiterer aktiver Vulkane werden in Arequipa täglich bis zu 12 Erdbeben unterschiedlicher Stärke registriert. Das historische Stadtzentrum wurde 2000 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. „Ciudad Blanca“ – der Ruhm der „Weißen Stadt“ als eine der schönsten Städte Perus besteht immer noch. Der Name kommt vom hellen Sillargestein, aus dem viele Gebäude bestehen. Das Sillar stammt von den vulkanischen Lockermassen des Chachani. Lange galten die mächtigen Sillarmauern Arequipas als erdbebensicher, doch die vielen mehr oder minder starken Erdbeben, die die Stadt erschüttern, brachten mit der Zeit zahlreiche Gemäuer zum Bröckeln.

Das Herzstück Arequipas ist die Plaza, die an drei Seiten sehr hübsch von zweistöckigen Arkadengängen umsäumt wird. In der Mitte findet sich eine sehr gepflegte Anlage mit alten Palmen – einfach traumhaft. Für mich persönlich, die schönste Plaza, die ich bisher in Südamerika gesehen habe.

Einzigartig in Peru ist zudem, dass die mächtige Kathedrale aus Sillarstein die gesamte Nordseite der Plaza einnimmt.

K1600_Kathedrale

Die Kathedrale von Arequipa

Ausgiebig Zeit nehmen wir uns für die Besichtung des Klosters Santa Catalina, dem größten Kloster Südamerikas, das auch die Stadt in der Stadt genannt wird.

K1600_Kloster

Die Straßen im Kloster Santa Catalina haben ihre Namen von spanischen Städten

Morgen brechen Karl und ich alleine aus Arequipa zum Salar de Uyuni auf, denn Hermann und Joe möchten noch einen Tag länger hier bleiben.

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Nachts auf der Plaza

K1600_Plaza nachts

 

07:06.2016 El Condor Pasa – Kondore im Colca Canyon

Dienstag, 07.06.16 (51. Tag)

Der Colca Canyon ist der zweittiefste Canyon der Erde. Während der Grand Canyon in den USA „nur“ eine Tiefe von 1800 m hat, ist der Colca Canyon an seiner tiefsten Stelle 3269 m tief. Der Besuch des Colca Canyon ist eine der attraktivsten Natursehenswürdigkeiten Perus.

K1600_Colca

Colca Canyon, der zweittiefste Canyon der Erde

Zudem bietet der Colca Canyon eine der noch wenigen guten Möglichkeiten, um Anden-Kondore in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

Hört sich doch alles sehr vielsprechend an und wenn ich nun noch anmerke, dass der Colca Canyon seinen Endpunkt in Chivay hat, dann ist es sicher nicht schwer zu erraten, dass wir einen Besuch fest eingeplant haben.

Bereits um 08 Uhr haben wir gepackt und brechen auf. Unser Ziel ist der Cruz de Condor, das Kreuz des Kondors, der beste Platz, um die Riesenvögel vielleicht zu sehen. Wir haben im Reiseführer gelesen, dass es wichtig ist, möglichst früh und bei gutem Wetter dort zu sein. Man blickt in ca. 1200 m Tiefe, ganz unten ist als dünner Strich der Rio Colca zu erkennen. Wenn man Glück hat, erheben sich die Kondore ab etwa 8 Uhr in die wärmenden Sonnenstrahlen und steigen je nach Thermik auf.

K1600_Cruz de Condor

Cruz de Condor

Wir erreichen das Cruz gegen 9 Uhr und sind überrascht, wieviele Frühaufsteher schon hier sind. Wir sind anscheinend die Letzten.

Welches Schauspiel wir dann in den nächsten 1 1/2 Stunden erleben dürfen, ist kaum zu glauben. Bis zu 10 Kondore steigen immer wieder aus dem Tal auf und genießen es anscheinend, über die Köpfe der begeisterten Zuschauer hinwegzuschweben.

K1600_Vor den Zuschauern

Der Kondor gehört zur Unterordnung der Geier und ist vom Aussterben bedroht. Mit einer Flügelspannweite bis zu 3,20 m ist der Kondor der größte Raubvogel der Erde. Die mächtigen Vögel werden bis zu 70 Jahre alt und ernähren sich hauptsächlich vom Aas.

K1600_3 Kondore

Gegen 10:30 ist das Schauspiel vorüber. Die Kondore sind weg und sollen erst gegen 16 Uhr wieder zurück kehren. Wiedereinmal haben wir riesiges Glück gehabt, denn nicht an jedem Tag sollen die Vögel überhaupt und dann noch so zahlreich zu sehen sein.

K1600_Kondor

Wir verlassen den Colca Canyon in Richtung Arequirpa, der weißen Stadt, wo wir gegen 16 Uhr eintreffen und morgen unsere letzte Stadtbesichtigung auf dem Programm steht.

06.06.2016 Zur Quelle des Amazonas

Montag, 06.06.16 (50. Tag)

Der Amazonas ist mit 6448 km der zweitlängste Fluss der Erde.

2001 hat ein internationales Expeditionsteam dank ausgefeilter Satellitentechnik seine Quelle in den peruanischen Anden, nur knapp 200 km von der Pazifikküste entfernt, gefunden. Demnach entspringt der Amazonas an einem Hang des 5597 Meter hohen Nevado Mismi, einem Vulkan im Süden Perus.

Der Nevado Mismi liegt im Norden von Chivay und genau dort sind wir gestern abend nach zwei abwechslungsreichen Tagen auf der Panamericana angekommen.

K1600_Auffahrt

Auffahrt zum Nevado Mismi

Es war Hermanns sehnlichster Wunsch, er hat sich die genauen Koordinaten besorgt, diese Quelle zu finden und dann einen Schluck frisches Amazonaswasser zu genießen.

K1600_Bergauf

Von 3800 m auf 5150 m – 30 km nur bergauf

Wir brechen morgens gegen 09:30 Uhr auf und zunächst geht es 20 km auf guter Straße zum kleinen Ort Tuti, an dessen Ende die Piste zum Mismi beginnen soll.

Problemlos finden wir die Abzweigung und schon nach wenigen Metern wird uns klar, das wird wieder kein Zuckerschlecken. Tiefe Schotter- und Sandpassagen, immer wieder faustgroße Felsstücke und steile Auf- und Abfahrten verlangen uns und den Bikes alles ab.

K1600_grandiose Gegend

Wieder in einer absolut grandiosen Gegend

Langsam kommt der Nevado Mismi ins Blickfeld, wir befinden uns inzwischen auf 4600 m Höhe und von vielen Internetbildern wissen wir ungefähr, wie die Umgebung der Quelle aussieht.

K1600_Nevado Mismi

Der Nevado Mismi im Blickfeld

Uns begegnet auf der ganzen Fahrt keine Menschenseele und man darf sich nur nicht vorstellen, hier oben ständig Wegweiser zu finden, es gibt keine. Immer wieder verzweigt sich die Fahrspur und oft können wir nur raten.

K1600_schwieriger

Das Gelände wird immer schwieriger

 

Schließlich passieren wir die 5000 m Marke und das Gelände wir immer schwieriger. Nach einer steilen Abfahrt endet schließlich die Spur an einem Geröllfeld und nach kurzer Suche, die jedoch auf 5150 m Höhe unvorstellbar anstrengend ist, stehen wir glücklich am Ziel – wir haben sie tatsächlich gefunden.

K1600_navi

Höhenmesser am Navi

Am Fuße einer senkrechten Felswand sprudelt das kühle, klare Wasser heraus und natürlich lässt es sich keiner von uns nehmen, davon zu kosten.

K1600_Karl gefunden

Karl an der Quelle

 

 

03.06.2016 Nasca-Linien

Freitag, 03.06.16 (47. Tag)

Wir brechen wieder früh auf, denn Hermann hat uns geschrieben, er ist schon zusammen mit Joe seit gestern in Nasca, dass er bereits für den Nachmittag einen Flug für uns reserviert hat.

Um 11 Uhr treffen wir die beiden und quartieren uns in gleiche Hotel ein.

Um 14:30 gehen wir zu dritt zum Reisebüro, nur Joe will nicht mit. Der Preis beträgt 62 Dollar, in der Hauptsaison, die nun langsam beginnt, gibts nichts unter 100 Dollar.

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Ready for Takeoff

Die Nasca-Linien sind riesige Scharrbilder in der Umgebung von Nasca.

K1600_Linien

Die Nasca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km² schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapetzförmige Flächen sowie Figuren mit einer Größe von zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen.

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Humminbird

Eine systematische Erkundung und Vermessung zusammen mit archäologischen Grabungen zwischen 2004 und 2009 im Umfeld und zum Teil in den Linien konnte ihre Entstehung und ihren Zweck mit hoher Wahrscheinlichkeit klären: Es handelte sich demnach um Gestaltungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen, die zwischen 800 und 600 v. Chr angelegt und durch periodische Klimaschwankungen veranlasst wurden.

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Spider

 

02.06.2016 Canon del Pato, in einer anderen Welt und Traumoase

Donnerstag, 02.06.16 (46. Tag)

Gestern sind wir zeitig aus Caraz aufgebrochen. Der Weg führte uns nicht gleich an den Pazifik, nein, wir nahmen erneut einen Umweg in Kauf und der führte uns noch weiter ein kleines Stück nach Norden, wir wollten uns den Canon del Pato (Entenschlucht) nicht entgehen lassen.

K1600_Canon1

Der Canon del Pato ist aufgenommen in die Liste der most dangerous roads of the world. Die einspurige, meist sehr ausgesetzte und unbefestigte Straße, die mehrmals durch senkrechte Felswände führt, durchquert über 35 unbeleuchtete Tunnel und wird enger und enger.

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Unser Urteil: ein Meisterstück der Straßenbaukunst und in dieser Art in Europa nicht zu finden.

Danach war es nur noch ein Katzensprung bis um Pazifik und nun hatten wir wenigstens schon mal Südamerika von Ost nach West durchquert. Doch je näher wir dem Meer kamen, umso diesiger und nebeliger wurde es. Wir wußten es schon aus dem Reiseführer: in den Herbstmonaten ist die Pazifikküste meist im Nebel eingehüllt und die Sonne kommt hier kaum durch.

Und schon kam wirklich einer der großen Momente der Reise. Wir erreichten eine Vorfahrtsstraße und bogen nach links, Richtung Süden ab – wir, die Queen und ich, befanden uns auf einer der lengendärsten Straßen der Welt, wir fuhren von diesem Augenblick ab auf der Panamerican, die Amerika von Alaska bis Feuerland durchquert. Ein ganz besonderer Augenblick und mir kommt das Jahr 2001 in Erinnerung, damals fuhr ich, noch mit meiner Transalp, ein Stück dieser sagenumwobenen Straße in Kalifornien.

Und dann genügten nur wenige Kilometern auf der Panamericana und die ließen uns glauben, die wir die letzten Wochen nur in den Bergen verbracht hatten, auf einem anderen Erdteil, irgendwo in Afrika oder Asien zu sein – Sanddünen, Wüste und immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Pazifik.

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Auf einem anderen Erdteil

Sobald wir die Städte hinter uns ließen, ging der Verkehr gegen Null und wir kamen gut voran.

Abends schlugen wir die Zelte erstmals auf der Reise im Wüstensand auf und Karl und ich schliefen wie die Murmeltiere.

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Wüstenlager

Heute morgen bekommt Karl, natürlich Karl, denn ich besitze immer noch kein Handy, eine Mail von Hermann, dass sie erst morgen in Nazca sein werden. So werden aus den geplanten 560 km, wir sitzen früh im Sattel, um die Strecke zu schaffen, „nur“ 420 km, was uns aber einen weiteren spektakulären Höhepunkt der Reise, eine Übernachtung in der Oase Huacachina, ermöglicht. Der Ort wir von traumhaften Sanddünen umschlossen und ist eine der touristischen Attraktionen Perus. Die Dünen zählen mit einer Höhe von 100 m zu den höchsten den Landes.

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Die Oase Huacachina

Wir erreichen die Oase gegen 15:30 Uhr und mieten uns in einem guten Hotel ein. Nach einem kurzen Bad im Pool, kaum hatten wir den Dunst der Küste hinter uns gelassen, Huacachina liegt etwas im Landesinneren, wurde es wieder richtig warm, erklimmen wir die Düne direkt hinter dem Hotel. Es ist die erste Sanddüne, die ich besteige und als wir oben sind, können wir diesen sagenhaften Rundumblick nicht fassen.

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In der einen Richtung nur traumhafte Sanddünen soweit das Auge reicht, unter uns wie gemalt die Oase und gegenüber die Großstadt Ika, immer wieder unterbrochen von einzelnen Dünen – Peppi würde sagen:“wunderschön!“

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Und dann gehts die 100 Höhenmeter praktisch im Sprint im Sand bergab – ich komme mir vor wie ein Riese – einfach nur gigantisch (geil).

Morgen wird es dann endgültig nach Nazca gehen, das Flugzeug wartet schon auf uns, wir wollen die berühmten Nazca-Linien von oben in Augenschein nehmen.

 

 

31.05.2016 Cordillera Blanca

Dienstag, 31.05.16 (44. Tag)

Die Cordillera Blanca (die weißen Berge), die wir gestern erreicht haben, sind das nördlichste Ziel unserer Reise. Ab morgen geht es nur noch in Richtung Süden. Über die Hälfte der Reise ist vorbei und der Kilometerzähler steht auf 8500 km.

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen und möchten von Caraz aus nur 45 km hoch in die Cordillera und uns zwei herrliche, türkisblaue Andenseen auf 3800 m (so der Reiseführer) ansehen, die Lagunas Llanganuco.

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Doch so ruhig wie erwartet wird es nicht, denn die letzten 30 km haben es wieder einmal in sich. Die brutale Piste ist übersäht mit kleinen, spitzen Felsbrocken und schon nach wenigen Km tun uns unsere Reifen leid. Sie sind eh nicht mehr in bestem Zustand und man sieht ihnen die gefahrenen Km deutlich an.

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Da gehts nur im Schneckentempo voran, wenn du mit deinen Reifen noch über 5000 km vor dir hast

Für die 30 km brauchen wir zwei volle Stunden, oft quälen wir uns im ersten Gang nach oben.

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Die erste Lagune

Doch die Mühen sollen sich lohnen. Der Blick von oben auf die beiden Seen ist unbeschreiblich und wie zur Krönung wird alles, erneut bei Bilderbuchwetter, umrahmt von vergletscherten 6000ern. Ein Panorama, das seinesgleichen sucht!

K1600_Panorama

30.05.2016 Punta Huarapasca – unvergesslich!

Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Gestern abend, den ersten Tag, an dem Karl und ich alleine unterwegs waren, mussten wir auf den letzten 100 km ein wahres Schlaglochgewitter über uns ergehen lassen. Ein Piste, wie ich sie wirklich noch nie gesehen, geschweige denn gefahren bin. Wenn du auf gefühlten 4 qm ca. 20 Schlaglöcher hast, dann kannst du nicht mehr ausweichen, unmöglich, du musst einfach durch. Unser Stundenschnitt senkte sich auf unter 30 km/h und so hatten wir abends große Mühe, wir fuhren ewig an einem Berghang abwärts, überhaupt einen Platz für die Zelte zu finden.

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Schlaglochgewitter

Schließlich klappte es aber doch! Wir überquerten eine Fußgängerhängebrücke und fanden an der anderen Flussseite eine Lagerplatz der Katergorie „unvergesslich“ – vor allem wegen der abenteuerlichen Brücke.

K1600_Hängebrücke

Hangover

Unerwartet werden wir jedoch am anderen Tag für die Schlaglochmühen entschädigt, aber wie.

Die schönste Straße/Piste die ich bisher gefahren bin war die „White Rim“ im Canyonland-Nationalpark in Utah. Heute kommt völlig unerwartet ein Pass hinzu, der es mit der White Rim aufnehmen kann.

Auf dem 4720 m hohen Abra Yanashalle Pass biegen wir nach rechts ab in den Pass Punta Huarapasca (4780 m). Schon nach einem Kilometer raubt es uns den Atem – wir biegen um die Ecke und haben einen ersten Blick auf die vergletscherten Berge unseres nördlichsten Ziel der Reise, der Cordillera Blanca. Die Streckenführung ist unfassbar, die Ausblicke auf die Berge unbeschreiblich. Wir kommen kaum voran. Immer wieder halten wir zum fotografieren.

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67 km Schotter, wir treffen keine Menschenseele. Die Ruhe ist unbeschreiblich. Um uns herum majestätische Berge. Wir sind einfach nur glücklich!

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In der Abfahrt vom Pass können wir noch ein Blick auf die Puya Raimondii, eine Riesenblume, die leider jetzt im Herbst nicht mehr blüht, die in Peru und Bolivien in einer Höhe zwischen 3500 und 4500 m beheimatet ist.

K1600_Riesenblumen

Puya Raimondii

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Caraz und finden schnell eine gute Lodge.

Morgen wir wollen wir Cordillera Blanca zweimal durchqueren.