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Finnland und Nordnorwegen

Was für ein Schrecken!

Ich und die Gummikuh waren abmarschbereit. So setzte ich mich an einem Dienstag gegen 15.00 Uhr nachmittags in den Sattel, um wenigsten noch die Hälfte der Autobahnstrecke bis Travemünde, wo am anderen Tag meine Fähre nach Helsinki ablegen sollte, zurückzulegen. Natürlich war die ganze Familie zur Verabschiedung angetreten. Ich ließ die Mühle an und hörte ich richtig:  „Der Bock läuft doch nur auf einem Haxen, das kann doch nicht sein.“ Aber auch ein kurzer Fahrversuch zeigte, keine Leistung, die Tenere läuft wirklich nur auf einem Zylinder. Vielleicht sogar Glück im Unglück, denn wäre mir das irgendwo auf der Strecke passiert, hätte ich dann die Fähre noch erwischt? Also schnell alles abladen, mit halber Leistung zum Händler nach Monheim und der findet die bereits vermutete Ursache schnell: eine Zündkerze hatte den Geist aufgegeben. Im Eiltempo zurück nach Schernfeld, erneut aufpacken, noch einmal große Verabschiedung und mit zwei Stunden Verspätung war ich dann endlich unterwegs.

Ein verpatzter Start in eine ansonsten wunderbare Reise, die mich in ein Land führte, welches in meiner internen Rangliste in Europa ganz oben rangiert.

Ich blieb vor weiteren Pannen verschont und steuerte die Tenere am folgenden Tag gegen 15.00 Uhr in den Finnjet ,  den ich knapp 24 Stunden später gegen 16.30 Uhr in Helsinki wieder verließ. Noch am gleiche Abend legte ich knapp 350 km zurück, was aber leicht ausreichte, um zu erkennen, dass Finnland zum Großteile nur aus Wald und Seen besteht. Der Kurs war klar, es ging immer in Richtung Norden. Es folgten zwei weiter Tage mit je 650 km  total ebener Geradeausfahr ohne die geringste Erhebung und so überquerte ich bereits am Samstag Abend die Grenze nach Norwegen. Nur wenige Kilometer später hatte ich meine erstes Etappenziel erreicht und stand am nördlichen Eismeer bei Tana Bru.

Thema Mücken: Ich muss vorausschicken, die Mücken haben mich schon immer angehimmelt und inzwischen habe ich jede Hoffnung aufgegeben, dass sich daran bis an mein Lebensende noch irgendwas ändert. Im Süden von Finnland begann es eigentlich ganz harmlos. Aber schon die zweite Übernachtung in Kusamo war der Horror. Vor dem Aufstehen hatte es noch ein wenig geregnet und so war es beim Zeltabbau so richtig schön dampfig – absolutes Mückentraumwetter. Da es zudem auch warm war, kam ich gehörig ins Schwitzen und es wurde von Minute zu Minute schlimmer – ich hatte weit mehr mit den Viechern, als mit meinem Zelt und dem Gepäck zu kämpfen. Keiner kann sich vorstellen, was es für eine absolute Wohltat war, endlich den Helm auf zu haben und den Fahrtwind zu spüren. Eine Steigerung hielt ich schlichtweg für unmöglich – ich sollte mich täuschen. Der Norden war die Hölle. Naiv und unwissend wir ich war, hatte ich geglaubte, am Eismeer werden die Viecher schon weg sein. Weit gefehlt – herrlichstes Wetter, fast 20 Grad, Mücken brutal. An ein Sitzen vor dem Zelt oder Kochen war absolut nicht zu denken. Ich habe ein Foto geschossen, auf dem vier von diesen Biestern auf meinem Oberschenkel sitzen und, sie kamen sogar durch die Levis durch. So etwas habe ich noch nie erlebt. Besser wurde es erst, als ich wieder in Richtung Süden unterwegs war.

Aber sonst hat mich der hohe Norden fasziniert. Diese Kargheit, diese Lebensfeindlichkeit, diese Einsamkeit. Wenn ich nur daran denke, was hier im Winter los ist, dann beginne ich sofort zu frösteln.

Ich befand mich auf freier Strecke und war gerade im Begriff, Nordnorwegen zu verlassen, als es passierte. Plötzlich fing die Gummikuh während der Fahrt an zu ruckeln und kurz darauf stand sie . Immer ein absolut traumhaftes Gefühl, wenn dir so was  möglichst weit weg von zu hause passiert. Nach kurzem Suchen fand ich heraus, die Batterie war leer, kein Saft mehr. Doch wieder einmal hatte ich auch hier Glück im Unglück. Bis Tromsö, der größten Stadt im Norden, waren es nur noch wenige Kilometer. Ich wartete ein wenig und die Batterie erholte sich soweit, dass ich aus eigener Kraft bis zur Stadtgrenze kam. Schnell war eine Werkstatt gefunden und der „Spitzenmechanikernorweger“ fand die Ursache nach kurzer Suche – eine Steckverbindung von der Lichtmaschine zur Batterie war oxydiert und hatte zu gemacht. So konnte die Batterie nicht mehr geladen werden. Der Stecker war schnell gewechselt, Kosten 5 Mark. Wenn der Stecker nur einer Stunde früher den Geist aufgegeben hätte, dann wäre ich mitten in der Pampa gestanden – und was dann? Irgendwie geht es immer weiter.

 

Brummi

 

(Die Bilder wurden von Dias eingescannt – bitte die Qualität entschuldigen)

 

 

 

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