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Archiv für die Kategorie „Usbekistan“

Khiva

Хива
Nach tagelanger Internernet-Abstinenz ‚endlich‘ wieder Anschluss an das www. so manch einer hatte schon Fussballentzugserscheinungen, aber das ist hiermit auch schon behoben, die Hand zittert nicht mehr ganz so stark.
Und was war mit den Bayern los?

Südtor zur Altstadt Itchan-Kala

Von unserem Hotel Asia Khiva präsentiert sich dieser Anblick. Das ist das Südtor zur Altstadt Itchan-Kala, seit 1990 UNESCO Weltkulturerbe. Irgendwann im 6. Jahrhundert n. Ch. gegründet, zählt diese Oasenstadt knappe 60.000 Einwohner.

aber zuerst mal der Reihe nach.

Usbekistan

Sieht aus wie ein Banküberfall, war auch so ähnlich. Man bekommt ein Bündel Scheine und fühlt sich wie Dagobert Duck.
1 Euro = 2.500 Usbekischer Som.
Geldbeutel überflüssig.

Wie Dagobert Duck

Kleiner Imbiss zwischendurch, wenn der kleine Hunger kommt. Tee, Fladenbrot und sowas wie Marmelade.

Kleiner Imbiss

Aralsee

18. Mai, wie immer gegen Neun, fahren wir aus der Steppe direkt auf die Strasse. Erstes Ziel, die Stadt Qo’ng irot, der erfahrene Kartenleser weiß natürlich, dass dies Kunrat heißt.
Da uns an der Grenze ein weissrussischer Schwätzer, der des Deutschem mächtig war , informiert hat, dass die Strassen in Usbekistan nicht besser werden, wollten wir solange Teer unter unseren Rädern liegt, wieder mal Kilometer machen. Schwätzer, wie schon bemerkt.
Gut ausgebaut und fast ohne Hindernisse, ausser dass auf einer sogenannten Autobahn schon mal ohne Vorwarnung ein oder zwei Autos entgegenkommen. Nach 320.000 m, klingt doch gut, oder, schiessen wir zuerst mal an der Stadt vorbei, weil der erfahrene Kartenleser noch kein erfahrener Kartenleser war, alle beide. Ein netter Bauarbeiter schickt uns dreissig Kilometer zurück. Wir tanken, decken uns mit reichlich Wasser ein und ziehen wieder los.
Wir wenden uns stark Richtung Osten, eher Nordosten, zum Aralsee.
Nach einer kleinen Etappe und einer Nacht Ruhe erreichen wir die ehemalige Hafenstadt Moynaq.
Dort liegen dann verschiedene Schiffwracks im Wüstensand herum, sichtlich aufgebahrt für die Touristen. Vom See, freilich keine Spur, wie das Satellitenbild zeigt. Moynaq liegt ganz im Süden und da ist jetzt kein See mehr.

Satellitenbild Aralsee

Nimm mich mit Kapitän auf die Reise…..

Schiff am Aralsee

1960 war der Aralsee mit 86.000 qkm noch viert grösster Binnensee der Erde.
Gespeist wurde er durch den Fluss Syrdarja vom Osten her und dem Fluss Amudarja vom Süden her.
Aber dann haben sich die Kasachen und Usbeken im Wetteifer beim Anpflanzen von Baumwolle bekriegt und den beiden Flüssen, die den ablauffreien See speisen, das Wasser für die Bewässerung entzogen. Kanäle wurden gebaut, mehr oder weniger dicht, und so sank der Wasserspiegel bis heute über zwanzig Meter. Hatte das Wasser damals einen Salzgehalt von weit unter einem Prozent, liegt er heute bei fast 110 g pro Liter, kein Ozean hat einen solchen Wert. Einst fischreich, Brassen, Barben und Störe, war kein Ertrag mehr aus diesem Wirtschaftszweig möglich.
Zusätzlich durch Pestizide und früheren Testversuchen mit Biowaffen ist das getrocknete Salz schwer verseucht und wird durch den Wind in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Keine wirklich gesunde Gegend.
13.900 qkm sind noch übrig, die der Mensch in seiner grenzenlosen Gier übrig lies.
Die Kasachen versuchen heute zumindest den kleinen Aralsee zu retten und haben einen Damm im Süden gebaut, der das Wasser zurückhält, mit westlichen Geldern. Durch kontrolliertes Ablassen und somit auch dem notwendigen Wasseraustausch sank der Salzgehalt, der Wasserspiegel stieg wieder und somit war auch ein Einsetzen von Fischen wieder möglich. Nur die Usbekische Regierung sieht das ganze etwas anders, klar, denen fehlt das Wasser vom Norden.

Camping in der Wüste

Mitten in der Wüste, da sind wir nämlich schon gelandet, bietet sich uns ein Traum an Landschaft. Nahezu dreissig Grad so gegen Sieben am Abend lässt zwar den Schweiss beim Zeltaufstellen fliessen, aber bei der Aussicht….
Ausserdem wird sich ja jeden Abend das Pobscherl und der Zappateus aus dem aufgewärmten Wasserschlauch gewaschen.

Mitten in der Wüste

Sooooo gut gehts uns… bei früheren Anlässen war da mal das ein oder andere Mal eine Flasche Whiskey zu sehen, aber leider ist uns der Sponsor abgesprungen, konnte es sich wahrscheinlich nicht mehr leisten.

So gut gehts uns

Toprak Kala

19. Mai, eine Ausgrabung ist heut an der Reihe, Toprak Kala.
Aber wie das Leben so spielt, kommt es immer anders, wie man es halt so auf dem Plan hat. Bevor es zur Sandbuddelei geht, sehen wir dieses beeindruckende Stadttor, da muss man halt hin.

Stadttor

Die kleine Pilgerstadt Kalandarchana, schön langsam schreiben sich die Namen auch leichter, soll unser erstes Ziel am heutigen Tag sein. Wir halten kurz zum Foto schiessen an … schon wieder sind wir umringt von Einheimischen. Immer, wenn wir anhalten, scharren sich die Menschen um uns und wollen alles ganz genau wissen.
Nach Berichten, wo wir herkommen, wo wir hinwollen laden diese freundlichen Mitbürger uns ein, кушать zu uns zu nehmen. Und da Essen ja immer gut ist, nehmen wir dankend an.

So sitzen wir mitten unter lauter Muslime und schlagen uns den Bauch voll. ‚Wenig Kalorien, versichern uns die Männer. aber zwei Stunden wenig Kalorien können auch viel Kalorien werden. Wirklich zwei Stunden, nur von kurzen Gebeten unterbrochen, wird dieses Pilgeressen zelebriert. Und es schmeckt.
Kirschen, Apfelsinen, Gurken, Tomaten, Dill, Reisbrei mit Hühnerfleisch, Hammel und zum Nachtisch Bonbons. Dazu traditionell Tee.

Pilgeressen

Irgendwas war noch – ach ja.
Wir verabschieden uns von den neugewonnenen Freunden und besuchen mit leichtem Hängebauch Toprak Kala.
Die ersten Ausgrabungen fanden hier, 30 km  nordöstlich von Biruniy, schon 1940 – 1945 statt. Der Rest der Festung wurde 1970 freigelegt.
500 x 300 m messen die Umrisse, die Mauern waren bis zu fünfzehn m hoch und dienen heute einem ganz anderen Zweck – als Nistplatz für Vögel.

Toprak Kala

Zurück zu Anfang

So idyllisch kann ein Zeltplatz sein. Gefunden nach langem Suchen bei Biruniy.

Zeltplatz bei Biruniy

…und dann das hier. Der Müll wird einfach in die Natur geworfen, wird der dann zuviel, zündet man ihn einfach an.
Auch aus dem fahrendem Auto, Flasch leer, Fenster auf, Flasche raus.
Der ganze Boden auch mit Glasscherben übersät, da freut sich der Pneu.

Müllentsorgung in Usbekistan

Wir mögen unsere Zeltbehausung, freuen uns aber auch auf das Hotel in Khiva.
Zurück zu Anfang.

Nachtrag zur Strassenverkehrsordnung

Da das Usbekische Strassenbauamt seinen Verpflichtungen, Strassenschäden zu beheben, nur schwerlich wegen der Vielzahl Nachkommen kann, auch Hinweisschilder nur spärlich vorhanden sind, behilft man sich mit dem von der Natur gegebenen Absperrmöglichkeiten.

Usbekische Hinweisschilder zu Straßenschäden

Itchan Kale, die Altstadt von Khiva

Khiva liegt am Unterlauf des Amu Darja im Gebiet Choresm. Itchan Kale, die Altstadt mit ihren 4.000 Einwohner, hat sich seinen orientalischen Charakter bewahrt. Enge Gassen, ebenerdige Wohnhäuser, ‚haulis‘, Mausoleen, Moscheen, Medresen, Paläste und Minarette Reihen sich aneinander.Ein steingewordenes Märchen aus 1001 Nacht.

Itchan Kale, die Altstadt von Khiva

Laut der Sage rasteten die Karawanen auf dem Weg durch die Karakum-Wueste an einem Brunnen, den sie ‚cheiwak‘, (oh, wie ist das wohltuend), nannten. Um diesen Brunnen entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte die Siedlung.
Bereits im 6. Jh. soll schon eine grosse Mauer die Stadt umgeben haben. Ab dem 10. Jh. wird Khiva erstmals als Stadt erwähnt, aber erst 1592 zur Hauptstadt von Choresm gekuert.
Kriege kamen, Kriege gingen, Itchan Kale steht noch.
Heute spielt das Handwerk die große Rolle der aufstrebenden Stadt. Den Touristen werden Teppiche, Seidenwaren, Keramik Produkte und Holzschnitzereien feil geboten.

Brunnen cheiwak

Übrigens, fast einen € mussten wir bezahlen, um den Brunnen, der in einem Privathof steht, zu begutachten.
Dafür erfahren wir, dass Sem, also Noahs Ältester, den Brunnen hat graben lassen.

Das wohl berühmteste Wahrzeichen von Chiwa ist das Mausoleum Pahlawan Mahmud.
‚Der starke Mann‘, ein berühmter Volksheiliger, hat hier unter der tuerkisblauen Kuppel seine letzte Ruhe gefunden.
Er war tapferer Mann, nebenbei ein Arzt und Dichter und hatte ein erfülltes Leben. Immerhin wurde er 79 Jahre.
Der ganze Komplex misst 100 x 50 Meter. Da haben sich seine Freunde mächtig ins Zeug gelegt.

Mausoleum Pahlawan Mahmud

Die Dschuma Moschee ist eine grosse, geschlossenen Halle ohne jegliches Schmuckwerk. Nur wenig Licht  fällt durch die zwei achteckigen, ausgesparten Öffnungen. 213 Säulen tragen die Holzbalkendecke. man meint fast, der Raum sei unendlich.
An den Säulen sieht man die allgegenwärtige, zentralasiatische Schnitzkunst. Von den Stehern hier lassen sich einige bis ins 12. Jahrhundert zurückdatieren.

Dschuma Moschee

 

Itchan Kale, die Medresen

Kommen wir zu den Medresen.
Sind die Moscheen die Orte, wo man sich vor Gott niederwirft, so sind die Medresen die zweitwichtigsten religiösen Bauten.
In den Hochschulen wurde zuerst den Studenten die Verbreitung der Lehre Mohammeds beigebracht.
Die Schulen waren auch immer gleich aufgebaut, riesiger Innenhof, aussen herum die sehr spartanischen Zellen der Schüler, meist auch ohne Fenster. Sie sollten sich halt auf’s Wesentliche konzentrieren.
Nach und nach hielten dann allgemeinwissenschaftliche Fächer Einzug in den Lehrplan, Literatur, Rechtswissenschaft, Medizin, Mathematik und Astronomie.

Medrese Amin Khan

Medrese Amin Khan. Platz für 99 Schüler, größte in Khiva.
Heute ein Hotel.

Medrese Muhammad Rahim Khan II., spätes 19. Jh.

Kommen wir zu den Minaretten, keine Angst , ist nicht die landesübliche Zigarettenmarke.
Menar, Ort wo Feuer (Licht) brennt, haben ihren Ursprung aus dem christlich-syrischen oder auch im buddhistischen Bereich, wer weiß schon, was die Religionsführer früher alles so ausgetauscht haben.
Fünf mal am Tag lässt der Muezzin seine Stimme von der Galerie erschallen. Nicht unbedingt ein Job, wo man alt werden soll. Dazu später.

Minarett der Medrese Islam Hodscha

Das Minarett Kalta Minar vor der Medrese Amin Khan.
was hier aussieht wie der verzierte Kamin eines Atommeilers hat eine kleine Geschichte.

Minarett vor der Medrese Amin Khan

Der Amin Khan, der ja schon die Schule erbaute, hatte ein effektives Ziel.
Er wollte dieses Minarett so hoch bauen, um von der Galerie bis Buchara zu schauen, sind ja nur 400 Kilometer. Nachdem der Fürst aber 1855 in einer Schlacht gefallen war, wurden die Bauarbeiten eingestellt. so hat dieses Bauwerk die ungewöhnlichen Ausmasse von einem Durchmesser von 14,8 Meter und eine Höhe von nur 28 Metern.
Daher auch der Name ‚kalta‘, kurzes Minarett.
Die Kacheln sind auch nicht typisch blau, sondern grün und gelb glasiert.

Minarett der Medrese Amin Khan

Paläste in Itchan Kale

Paläste sind hier eigentlich nicht so üblich, da sie meist bei Eroberungen zuerst zerstört sind.
Tasch Hauli, Steinernes Haus, wurde von Alla-Kuli Khan Mitte 19. Jh. Erbaut.
Der Palst ist in mehreren Baugruppen und eingeschobenen Innenhöfen unterteilt, die von hohen, mit Zinnen bewehrten Mauern umgeben sind.
Man muss ja auch den Festsaal, den Gerichtshof und vor allem den Harem beschützen.
Die Wände  sind auch hier mit den glasierten Kacheln verziert. Die Decken wurden verschieden ausgemalt.

Hof von Tasch Hauli, nur ein sehr kleiner Teil des Palastes.