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Archiv für die Kategorie „Ukraine“

Auf dem Weg in die Ukraine

Aufwachen, aus dem Fenster schaun und zufrieden lächeln. Die Sonne ist wieder da.
So packeln wir unsere fahrbaren Untersätze auf und starten gegen 8:00 Uhr bei 11 Grad.
Gute 40 km sind es ungefähr bis zur Grenze, die wollen wir hinter uns bringen und in der Ukraine frühstücken.
Aber irgendwie können wir uns nicht von den Schotterstrassen trennen, denn die Hälfte des Weges ist ein rechtes Geschüttel. Endlich kommen wir dann so gegen 9:30 an die rumänisch-ukrainische Grenze bei Hlyboka.
1 Stunde soll es dann auch noch dauern, bis wir die Formalitäten hinter uns haben. Als allererstes wollen die „freundlichen“ Grenzbeamten uns an die rumänische Grenze zurückschicken, weil ein Stempel fehlt. Wir sollen die Motorräder stehen lassen und alle vier gut 200 m zurück laufen. Nachdem wir das aber nicht wollen und ein wenig unschlüssig in der Gegend herumstehen, zeigen die Grenzer grosse Gnade und fertigen uns doch ab. Einen brav nach dem andern.
Dann kommt der Zoll, gleiches Spiel, gleiche Zeit. Und so wird es halb Elf, bis wir ukrainischen Boden unter den Füssen haben

 

Ankunft Ukraine

Genau 300 m dauert die Fahrt in diesem Land und schon müssen wir uns einer Verkehrskontrolle unterziehen. Alkoholtest. Lustiges Gerät. Man muss nur in den Apparat pusten, dann macht sich der Polizist noch ein bisschen wichtig, drückt hier mal hin, drückt da mal hin. Nach viermal Daumen hoch dürfen wir weiterfahren.
Gegen Mittag gibt’s endlich Frühstück, in Cernivci. Da wir von den 800 km nach Odessa noch die Hälfte schaffen wollen, halten wir uns auch nicht lange auf.
Zuerst in die nördliche, dann bei Chmel’ny’kyj in die östliche Richtung.
In der Nähe von Vinnycja campen wir dann wieder wild in der Gegend. 400 km sind es noch bis Odessa, größerenteils auf einer gut ausgebauten Autobahn, sagt man. Schau ma mal.

Peppi mal persönlich

Wie üblich Abfahrt um halb Neun.
500 m: Verlust eines Scheinwerfers (Georg).
1000 m: Zwischenstop zum Frühstück.
5 m: provisorische Reparatur des Scheinwerfers.
Glückliche Weiterfahrt eine Stunde später.

420 km nach Odessa, bei gutem, aber auch weniger gutem Strassenbelag, ich weiss, ich wiederhol mich.
Heute hatten wir auch allen Grund zum transpirieren, bei 34 Graeder in der Sonne.
Die Suche nach dem Hotel war eine kleine Hetzjagd durch Odessa. Vier Motorräder jagen hintereinander her, da wird’s dann schon mal eng.
Aber nach gut 2500 km: Ziel erreicht. Одесса.

Morgen dann ausführlicher Bericht

Peppi

Odessa

Über eine Million Einwohner tummeln sich in Odessa. 51% Ukrainer, 37% Russen und bis zu 130 Nationalitäten versuchen in dieser Stadt miteinander auszukommen. Und es funktioniert.
Unsere Tour beginnt freilich an der berühmten Potjomkischen Treppe. 142 m lang, 21,7 und 13,4 Meter breit, bei einem Höhenunterschied von dreissig Meter, bringt einen beim dritten Mal begehen ganz schön ins Schwitzen.
Für fusskranke Mitbürger läuft seit über 100 Jahren parallel dazu eine Drahtseilbahn.

Potjomkischen Treppe

Berühmt wurde sie durch den Stummfilm ‚Panzerkreuzer Potempkin‘ von Sergeij Eisensteins aus dem Jahre 1925, in der ein Kinderwagen die Treppe hinunterrollt. Wird heute noch immer adaptiert (Unglücksbote, Brazil).
In der Altstadt findet man neben Prachtbauten wie dem Archäologischem Museum und dem Operngebäude auch zahlreiche kleine Parks. Nach einem anstrengendem Einkaufsbummel kann man sich dann dort erholen. Strassenmusikanten versuchen dort, den flanierenden Odessaten nicht ganz auf die Nerven zu gehen und Strassenhändler bemühen sich, den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Angeboten wird ja alles mögliche. Ist schon witzig, einem Menschen, der eine Kamera umgehaengt hat, Bilder von Odessa anzubieten.
Verschiedene, teilweise exotische Tiere kann man sich umhängen und so fotografieren lassen. Kostet natürlich was. Schlangen, Greifvögel, australische Wombats, Riesenleguane und sogar ein kleiner Alligator werden feil geboten. Diesem scharfzahnigen Beisser hat man mit Tesafilm das Maul zugeklebt, Frechheit, wie soll der dann seinen Spass haben. Und wo ist der Tierschutzverein?
Seit 2007 steht auch Katherina II., die Grosse, wieder auf dem Sockel. Sie war von 1762-1796 war sie russische Zarin. Mit viel Weitsicht gründete sie Odessa als Hafenstadt und hielt sich so die Handelswege über das schwarze Meer offen. Und wo stammt sie her, aus Preussen. sie wurde als eine Anhalt-Zerbst geboren. Allerdings mögen die ukrainischen Nationalisten sie nicht besonders.
Traurig ist aber an dieser so lebensfrohen Stadt nur die hohe HIV-Infizierten-Rate von 16%, die höchste in Europa. Und schon wieder hat man eine Rekordzahl zu verbuchen. 2011 haben sie die meisten Neuinfizierten auf dem Kontinent zu verbuchen.
Die zwei Gesichter von Odessa.

Langer Weg nach Sewastopol

Fruehzeitig aufstehen, alles verpacken, frühstuecken und dann rechtzeitig abfahren, das war der Plan.
Und es hat geklappt. Um 8.00 Uhr konnten wir das Hotel Yunost aufgesattelt verlassen und waren on the Road again.
Die Sonnen scheint im Moment noch unser ständiger Begleiter zu sein. Aber so früh schon 23 Grad, laeuft auf Hitzeschlacht hinaus.
So manch einer hat uns vor den Strassen in der Ukraine gewarnt, aber darauf waren wir nicht so vorbereitet.
Größtenteils in gutem Zustand, kommen wir wirklich zügig voran, halten immer wieder für ein kleines Päuschen an und schaffen die 560 km in knappen elf Stunden. Das Hotel hier ist bei weitem besser, auch die Zimmer schöner und groesser. Atrium Kings Way Hotel, ein typisch Ukrainischer Name halt.
Morgen werden wir wohl die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten bewundern, dann vielleicht noch das Umland, bis es weiter nach Russland geht.

Hafen Sewastopol

Weit über 400.000 Einwohner teilen sich in Sewastopol in fast 3/4 Anteil Russen und ca. 1/5 Ukrainer auf. Der Rest sind ethnische Minderheiten.
Unsere Kathi, also die Grosse, hat mit Odessa und Sewastopol einen cleveren Schachzug gemacht. War die Stadt im Nordwesten des Schwarzen Meeres für den Welthandel offen, verlegte die gute Preussin mit der Gründung von Sewastopol 1783 die Kriegsschiffe auf die Halbinsel Krim, also in den Nordwesten.
Als erstes führt uns unser Weg in den Hafen. Wir chartern ein kleines Boot und machen eine fast dreiviertel Stunde lang dauernde Hafenrundfahrt, für 5 Euro pro Mann. Unser Guide, ein stolzer Ukrainer, freut sich darauf, uns in einem lustigem Englisch die Kriegsschiffe zu erklären.
Mit viel Konzentration übersetzen wir seinen Dialekt und erfahren, dass die russische Föderation den auslaufenden Vertrag zur Nutzung des Schwarzen Meeres im Jahre 2010 von 2017 auf 2042 verlängert hat, die Ukraine hat seither wesentlich verbilligtes russisches Gas.
So liegen heute die Schiffe beider Länder einträchtig nebeneinander, zu unterscheiden nur daran, dass die ukrainische Flotte der Schiffsnummer ein U voraussetzen, die russischen Schwimmutensilien immer bunte Flaggen aufziehen.
Unser Fremdenführer erklärt uns voller Freude fast jedes einzelne Schiff, angefangen von der Bestückung des Kriegswerkzeuges bis hin zu der Reichweite der Raketen. Moskau kann ohne Probleme beschossen werden, falls die Satelliten, die die Zielauffassung steuern, ihren Dienst tun. Hoff ma mal, dass man das nie erleben muss.
Die berühmte russische Schwarzmeerflotte ist heute noch der groesste Arbeitgeber in Sewastopol und begleicht auch ungefähr 25 % vom Stadtbudget.

Hafen Sewastopol