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Archiv für die Kategorie „Tibet“

17.10.13 Der haerteste Tag

Wecken wie gesagt 05.00 Uhr. Ich brauche zum Zeltabau und Aufpacken fast eine Stunde. In dieser Hoehe bist du schon fertig, wenn du dick eingemummt auf die Maschine kletterst.

Keine Strassensperren, aber es geht noch bei Dunkelheit sofort bergauf. Nach einer halben Stunde halten wir auf der Passhoehe kurz an. 5200 m und der Temperaturanzeiger der BMW steht auf -18 Grad. Fuer mich als verfrorener Hund eindeutig zu kalt. Zu allem Unheil haben wir nun den laengsten Streckenabschnitt in grosser Hoehe vor uns. Die naechsten 100 km kommen wir nicht mehr unter 4900 m. Es wird auch nur unwesentlich waermer, als die Sonne endlich raus kommt. Immer wieder halten wir an und ich waerme mir die Finger an den Heizgriffen der BMW, die wesentlich mehr drauf haben als meine der Queen.

Es ist der kaelteste Tag der gesamten Reise.

In Domar erreichen wir die Grenze zu Tibet und fahren in den Himalaya ein. Ab nun heisst unser neuer Fuehrer Thopten, er ist selbst Tibeter. Das Wetter ist wie schon in den vorherigen Tagen super, Sonne pur, aber eben a….kalt. Wir wussten, dass es hier im Oktober kalt werden wuerde, aber mit diesen Temperaturen haben wir nicht gerechnet.

Wir fahren bis Rutog. Wir halten beim einzigen „Guesthouse“. Nichts anderes als ein einziger grosser Raum, in dem die ganze Familie lebt. In der Mitte steht ein Ofen, ich stelle mich davor und schlage mit den Armen um mich. Die Mutter des Hauses versteht und legt ordentlich Yakdung nach. Nach einer halben Stunde bin ich aufgetaut und nach einer weitern haben wir gute chinesische Nudeln bekommen. Und natuerlich reichlich Tee. Waerme, Essen und Tee und du bist hier oben voellig zufrieden. Ich schlafe mit Joe zusammen in einem Nebenraum, natuerlich alles ohne Heizung und bete beim Einschlafen, dass ich nicht nachts raus aufs Klo (hinters Haus) muss. Pinkeln geht ja noch, aber Gross waere bei diesen Temperaturen die Hoechststrafe.

19.10.13 Zhadar und Kailash

Wir sind von der G219 gestern nachmittag abgebogen und haben traumhafte 120 km bei angenehmen 5 Grad durch eine unbeschreibliche Landschaft nach Zhadar hinter uns. Definitiv eine der schoensten Motorradstrecken, die ich je gefahren bin (leider gibts noch immer keine Bilder). Und endlich wieder ein Hotel mit einer warmen Dusche. Nach ueber einer Woche in Eiseskaelte und erbaermlichsten Unterkuenften eine unbeschreibliche Wohltat.

Am Morgen legen wir dann die 18km bis zur Bergfestung eines der letzten Koenige Tibets im Auto unserer Gruppe zurueck. Eine beeinduruckende Anlage in wie schon gesagt bezaubender Landschaftskulisse. Hat nur einen Nachteil, du musst fast 300 Hoehenmeter raufklettern, um alles zu sehen. Auch wieder kein Kinderspiel auf fast 4000 m. Aber es lohnt sich.

Nachmittags duerfen wir den gleichen Weg wieder zurueck fahren und haben noch einmal diesen Hochgenuss.

Gegen Abend dann der bisherige Hoehepunkt der Tibetreise, der heilige Berg der Tibeter, der 6714 m hohe Kailash kommt in Sicht. Im Sueden wird er vom fast 8000 m hohen Memo Nami flankiert und dazwischen liegt ein herrlicher tuerkisblauer Bergsee. Im spaeten Licht der untergehenden Sonne gelingen uns herrliche Aufnahmen.

Doch der Luxus der Dusche von gestern ist schnell wieder verflogen – abends ein unbeheiztes Guesthouse, in dem Joe, unser Guide und ich auf 4500m schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden.

20.10.13 Schnee

Als wir morgens nur wiederwillig aus unseren warmen Schlafsaecken kriechen und einen Blick vor die Tuere werfen, habe ich doch in der Nacht richtig gehoert, alles ist frisch ueberzuckert – es tatsaechlich geschneit.

Natuerlich weiss jeder, was ich damit meine, wenn ich davon spreche, bei Minusgraden aus dem Schlafsack zu klettern und sich anzuziehen. Das einzige, was diese Situation einigermassen ertraeglich macht, ist, dass im Teehaus inzwischen geheizt wird und es schon warmen Tee gibt.

Wir verbringen wieder einen eiskalten Tag, vormittags ist das Wetter erstmals schlechter und wir muessen auch durch ein kleines Schneegestoeber, und landen abends total durchgefroren wieder in einem Guesthouse.

Strom gibts im Teehaus erst ab 20.30 Uhr, dann wird das Agregat eingeschaltet und alles ist hell erleuchtet. Das Ganze hat nur einen Nachteil, das Agregat steht fast neben unserer Schlafgemach und ist nicht zu ueberrichen. Endlich wird es gegen 24.00 Uhr abgeschaltet und wir finden noch ein wenig  Ruhe.

Tibet – hier wird die Farbe ocker neu definiert

Ich habe in der Vergangenheit im TV einige Reiseberichte ueber China gesehen. In vielen war dann, als es nach Tibet gehen sollte, der folgende Satz Standart: „Leider mussen wir hier unterbrechen und den Bericht in ….., denn uns wurde die Einreise nach Tibet verweigert.“

Wir haben es geschafft! Leicht wars auch fuer uns nicht und die Reise wird uns sicher die letzten Koerner kosten, aber wir waren beide gut vorbereitet und blieben bisher Gott sei Dank von groesseren Krankheiten (abgesehen von leichtem Durchfall und hier in Tibet von Schluckbeschwerden, das einzige, wogegen ich kein Schuesslersalz dabei habe, denn ich hatte in der Vergangenheit schon ewig keine Halsschmerzen mehr – aber wir waren uns auch hier einig und hatten immer beide gleichzeitig Beschwerden) verschont.

Dennoch muessen wir uns und auch unsere Reisegefaehrten eingestehen, dass wir uns die Kulisse ein wenig anders vorgestellt hatten. Naiv wie wir waren, glaubten wir, von einem 8000er zum Naechsten zu fahren. Doch so war es bisher nicht. Der Hauptkamm des Himalaya liegt doch einiges weiter suedlich und bildet die Grenze zu Pakistan und Nepal. So sahen wir die Riesen meist nur am Horizont. So war unsere Route meist umringt von Bergen zwischen 5000 und 6000 m. Dafuer hat Tibet die Farbe ocker ganz neu definiert. Es ist unvorstellbar, welche Farben und Farbtoene hier zusammenspielen und in welches Licht sie dieses karge Land immer wieder setzen.

Die Bevoelkerung gerade hier in Westtibet lebt unvorstellbar arm unter widrigsten Wetter- und Klimaverhaeltnissen. Die Chinesen, die Tibet seit 1951 besetzt halten, was voelkerrechtlich sehr umstritten ist, haben hier alles im Griff. Wenn irgendwo Eintritt fuer Besichtigungen bezahlt werden muss, kommt dies immer den Chinesen zu gute. Im Moment leben noch ca. 2,3 Millionen Tibeter in Tibet, um die einen wirklich Angst werden muss, wenn man die Umstaende hier erst einmal kennen gelernt hat.

23.10.13 Lhasa

Die letzten drei Tage waren erstmals weniger anstregend. Wir kamen endlich etwas tiefer, was auch immer gleichbedeutend mit waermer ist und fanden zudem in Latse und Shigatse ganz annehmbare Hotels, in denen es uns wesentlich besser ging.

Das Essen hier in Tibet ist uebrigens sehr gut. Auch wenn du im noch so kleinen Guesthouse ubernachtest, bekommst du immer beste chinesische Kueche vorgesetzt. So bleiben wir wenigstens einigermassen bei Kraeften, wobei die Kaelte schon sehr zehrt.

Am Abend des 23. erreichen wir Lhasa, die Hauptstadt Tibets auf molligen 3600 m und ziehen ins Vier-Sterne-Tibet-Hotel ein. Viersterne darf man natuerlich nicht mit unserem Standart vergleichen, aber fuer Tibet sind wir doch sehr zufrieden. Die Nacht im Doppelzimmer kostet knapp 35 Euro und eine normales Nudel- oder Reisgericht bekommt man fuer ca. 3 Euro. Benzin kostet meist um 1 Euro.

Wir bleiben jetzt 3 Tage hier, haben Zeit, unsere Wunden zu lecken (es scheint den ganzen Tag die Sonne und in ihr kommt es locker auf 20 Grad), gut zu essen und natuerlich den beeindruckenden Potala-Palast, den ehemaligen Sitz des Dalai Lama, der im Exil in Indien lebt, ausfuehrlich zu besichtigen

26.10.13 Ausblick

Wir werden dann ab morgen den Friendship-Highway wieder zurueck fahren und bei Latse in Richtung nepalesische Grenze abbiegen.

Dort werden wir sie dann auch endlich pfluecken koennen, die Schwammerl, die Hugl, die 8000er.

Auf unserem Routenplan steht noch der Besuch von Kloster Rongbuk und dem Basislager des Everest.

Doch da sah es letzte Woche noch sehr schlecht aus. Es hiess, die Paesse sind wegen Schneefall alle zu und es sei auch ein Touristin dort in der Kaelte gestorben.

Die Wende kam dann gestern abend, als unser Guide mitteilte, Paesse offen bis Rongbuk, aber Basecamp geschlossen. Eine Loesung, mit der wir siche leben koennten, denn die 7 km zum Basecamp reissen auch nicht mehr viel raus.

Uns seht also noch eine oder zwei klare Naechte in fast 5000m Hoehe bevor, die wir aber gern in Kauf nehmen werden, denn schliesslich war der hoechste Berg der Erde doch das erklaerte Ziel der Reise.

Wir sind guter Dinge und melden uns dann aus Kahtmandu wieder, und dann duerfte der Kas gegessen sein.

Viele Gruesse aus Lhasa

Joe und Brummi

27.10.13 Ein Traum in tuerkisblau und weiss

Der letzte Teil der Tibetreise beginnt. Wir brechen um 10.00 Uhr von Lhasa auf und muessen zurueck nach Lhaze und von dort auf dem Friendship-Highway zur nepalesischen Grenze. Doch unser Guide schlaegt einen Umweg ueber den Yamdrok Yumtso See vor, der etwas weiter suedlich liegt. Wir sind natuerlich alle einverstanden, brauchen wir doch so nicht genau die gleiche Strecke zurueck fahren.

Nach Qushui erklimmen wir einen ersten kleinen Pass (nur 4799 m) und als wir die Passhoehe erreichen, bietet sich ein fantastischer Ausblick. Vor uns liegt der tuerkisblaue See, begrenzt am begrenzt am westlichen Ende durch den 7138 m hohen schneebedeckten Karo La.

Wir fahren langsam zum See hinunter und dann an dessen Ufer entlang ebenfalls Richtung Westen. Immer wieder halten wir bei Traumwetter zum Fotografieren.

Abends finden wir Quartier im Hotel in Gzantse.

28.10.13 Everest?

Als wir morgens aus dem Fenster blicken, friert es uns in unserem nicht beheizten „Hotelzimmer“ nur noch mehr – es schneit.

Wir packen zusammen und haben wieder einen kalten Tag vor uns, bei dem wir zusaetzlich auf die Strasse achten muessen, denn immer wieder ist es nass und sehr rutschig. Man weiss nie, ob nicht doch ein Abschnitt gefroren ist.

Doch es ist ein besonderer Tag, denn er wird die Entscheidung bringen, ob wir morgen zum Kloster Rongbuk fahren duerfen, dass nur 7 km vom Basecamp des Everest entfernt ist. Das Basecamp selbst ist schon seit Tagen geschlossen.

Abends uebernachten wir in Shelkar. Von dort zweigt in nur 10 km Entfernung die mittelschwere 95 km lange Schotterpiste zum Kloster Rongbuk ab.

Im Hotel gibt es dann hitzige Diskussionen. Der Franzose moechte plotzlich ueberhaupt nicht zum Everest rein fahren. Die anderen trauen die Strecke ihren alten Mercedes Kastenwagen nicht zu. Das Ende vom Lied ist, dass wir die Strecke nicht mit den Bikes zurueck legen werden, sondern in einem Kleinbuss. Der Franzose bleibt draussen und wartet einen Tag – was fuer ein Fehler!!!!

29.10.13 Das eigentliche Ziel der Reise

Ich schlafe die ganze Nacht sehr unruhig. Immer wieder schaue ich vom Bett aus aus dem Fenster und ab Mitternacht klart es ploetzlich auf und die Sterne sind da.

Unser Guide hat gestern mit einem Freund telefoniert, der mit seiner Gruppe am Everest war – alles in Wolken und Nebel. Wie wird es heute dort aussehen?

Ich verlasse mich auf meine Wetterglueck, das mich eigentlich noch nie im Stick gelassen hat. So war es auch 2001, als wir in Alaska am Denali, den Mt. Mckinley waren, der nur knapp 80 Tage im Jahr frei zu sehen ist. Abends schaelte er sich aus den Wolken und lag wie gemalt vor uns.

Wir brechen schon um 08.00 Uhr auf, eben beginnt es zu grauen und es ist wolkenlos.

Muehsam arbeit sich der Van die Piste entlang, uns wird es die 7 Stunden Fahrzeit gehoerig durchschuetteln (nicht schon wieder, saesse ich doch nur auf der Queen, da macht Schotter eigentlich immer Spass und diesmal haetten wir auch das Gepaeck zurueck lassen koennen).

Nach kurzer Anlaufzeit geht es bergauf, vor uns liegt 5120 m hohe Pang-La-Pass. Je hoeher wir kommen, desto mehr Schnee liegt. Schliesslich erreichen wir die Passhoehe sind ueberhaupt nicht vorbereitet, unser Fuehrer hat kein Wort gesagt.

Einem jeden vor uns verschlaegt es den Atem. Vor uns liegt eine unbeschreibliche Landschaft aus Schnee und Eis, die gekroennt wird von 5 der 14 Achttausender, die es auf der Erde gibt. Gekroent vom unbestrittenen Koenig der Berge, dem Everest, der majestaetisch ueber allem thront.

Und das wieder bei Bilderbuchwetter – unfassbar.

Ganz links im Osten der Makalu, daneben der Everest, in dessem Gipfelwindschatten sich eine leichte Wolke gebildet hat, die den Blick auf den direkt dahinter liegenden Lhotse etwas erschwert. In Richtung Westen folgen der Cho Oyu und schliesslich der Shishapangma.

Nur widerwillig reissen wir uns los und fahren durch unzaehlige Kehren talwaerts.

Drei Stunden spaeter erreichen wir das Ziel unserer Reise, das ueber 5200 m hoch gelegene hoechste Kloster der Welt, Rongbuk. Doch das interessiert uns beim Aussteigen ueberhaupt nicht. Wir stehen praktisch am Fuss des hoechsten Berges der Erde und der Anblick ist einfach nur atemberaubenden.

Wir klettern ein wenig im Kloster umher, das an einem Hang liegt und muessen uns immer wieder nach Atem ringend mit den Haenden auf den Knien abstuetzen. Und da steigen einige auch noch auf diesen Riesen hinauf – Irrsinn.

Ueber eine Stunde machen wir Bilder und nach dem Lunch im gemuetlichen Klosterrestaurant geht es auf den Rueckweg.

Ein mehr als traumhafter Tag!

30.10.13 Der Friendship-Highway – unbedingt eine der Prachtstrassen der Welt

Fruehmorgens verlassen wir Shelkar, wieder scheint die Sonne, es hat -7 Grad.

Langsam fahren wir weiter Richtung Grenze und geniessen noch einmal die tibetische Landschaft, bei der unten im Tal erneut die Farbe Ocker dominiert.

Langsam naehern wir uns dem 5133 m hohen Thong-La-Pass und erneut haben wir keine Ahnung, was uns noch erwarten soll. Je hoeher wir kommen, desto mehr nimmt der Schnee zu, wir sind im Himalaya-Hauptkamm. Hier hat es vor einer Woche heftig geschneit, der Pass war tagelang gesperrt und ist inzwischen geraumt. Immer wieder stehen riesige Schneesaulen in der Strasse, die im gleisenden Sonnenlicht nicht schmelzen, hier oben ist es zu kalt.

Wir klettern hoeher und trauen unseren Augen nicht. Vor uns liegt eine Strasse, die durch eine maerchenhafte Winterlandschaft direkt auf die vor uns liegenden Siebentausender hinzufuehren scheint. Mit einem unbeschreiblichen Hochgefuehl klettern wir stetig hoeher und auf der Passhoehe verschlaegt es uns erneut den Atem. Direkt rechts neben uns liegt der Shishapangma in seiner ganzen Pracht, einer der am schwierigsten zu besteigenden Achtausender der Erde.

Ich bin schon viele Passstrassen gefahren und kenne fast alle in den Alpen. Doch keine kann sich mit dieser hier messen.

Wir fahren langsam talwaerts und es scheint ploetzlich, als kommen wir in eine andere Welt. Es wird zusehens waermer und innerhalb eines Kilometers ist auf einmal alles gruen. Wir haben den Suedrand des Himalayas erreicht und Uebernachten in Zhangmu, dem chinesischen Grenzort direkt an der nepalesischen Grenze.