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Archiv für die Kategorie „Kirgistan 2“

04.10.13 Das grosse Wiedersehen

Es war schon ein richtig sonderbares, ein noch nie erlebtes Gefuehl, als wir gestern um 15.00 Uhr den Hof von Muztoo, der schweizer Firma, die hier in Kirgistan Motorradtouren veranstalten, betraten und ich die Queen einsam, verlassen, jedoch, und das sah man auch sofort, bei bester Gesundheit in dem weitraeumigen Hof stehen sah.

Auch Joe hatte unter den zahlreichen Bikes schnell die BMW von Peppi erspaeht und nach einem kurzen Plausch mit Patrik, er hatte sich das Jahr ueber um unsere beiden Alleingelassenen gekuemmert, machten wir uns an die Arbeit. Alles wurde abgebaut und ueberprueft. Joe versah die BMW mit seinem extra grossen Windschild, das er von zuhause mitgebracht hatte.

Patrik hatte die Bikes mit frischem Oel versorgt und in die BMW einen Trennschalter eingebaut, sodass wir den Stromkreis abends auf einfache Weise unterbrechen koennen und nun hoffen, das leidliche Batterieproblem im Griff zu haben.

Nachdem wir mit allem fertig waren, fuhren wir im letzten Licht der untergehenden Sonne zu unserem Guesthouse zurueck. Manche Sachen verlernt man eben nie und bei mir gehoert Motorradfahren dazu. Nach 1 1/4 Jahren nicht ein Anflug von Unsicherheit. Es kam mir vor, als haette ich die Queen erst einen Tag zuvor in Kirgistan abgestellt.

Abends gingen wir zusammen mit Urs, er gehoert ebenfalls zu Muztoo und hat uns letztes Jahr unwahrscheinlich geholfen, und einer seiner Reisegruppen gediegen in ein Restaurant zum Essen. Lammspies, Salat in Huelle und Fuelle, Bier und zusammen ein Flasche Wodka und das fuer nicht gany 10 Euro pro Person – wahrscheinlich eines unserer letzten Essen in dieser Art fuer die naechsten 5 Wochen und das haben wir ausfuehrlich genossen.

Soeben sind wir mit dem Fruehstueck fertig geworden und brechen anschliessend zu einer kleinen Eingewoehungsfahrt ohne Gepaeck auf.

Morgen werden wir Osh verlassen und haben fast eine Woche Zeit, um wenigstens einige der kirgisischen „must have seen“ zu erkunden, die uns Urs empfohlen hat.

Den naechsten Bericht werde ich vermutlich erst in einer Woche senden koennen, und dann hoffentlich schon aus Kashgar in China aus.

Abschliessen noch einmal unseren grossen Dank an Muztoo. Ohne die Schweizer haetten wir das nie so geschafft. Ich kann nur jedem empfehlen, der vielleicht irgendwann genug vom 25.-Tuerkei-all-inclusive hat, Motorrad nicht als Fremdwort versteht, Lust auf eine Jeeptour oder nur eine Kultur-oder Fotoreise hat, bei den Schweizern seit ihr in besten Haenden. Ehrlich! Herzlichen Dank, Patrik und Urs.

05.10.13 Ab in die Praerie

Nach 2 Tagen koennte es besser aussehen. Die BMW springt trotz dem nun vorhanden Trennschalter meistens nicht an und zu allem Unglueck streikte auch heute morgen die Queen. Doch das Wetter hier ist einfach Klasse. Fast 30 Grad und abends noch im T-Shirt unterwegs.

So waren wir gestern in Richtung Pamir unterwegs, die gleiche Strecke auf der wir vor einem Jahr nach Osch gekommen sind. Damals schuettete es wie aus Kuebeln, doch gestern hatten wir von einem 3600 m hohen Pass aus freie Sicht auf den Mt. Lenin, mit ueber 7000 m der hoechste Berg im Pamir.

Anschliessend werden wir Osch verlassen. Unsere ersten Ziele werden die Seen Togtugul und Song-Kul sein.

Leider konnte ich bisher noch keine Bilder einstellen denn der USB-Anschluss hier im Guesthouse funkioniert nicht.

So werden wir uns, wenn die Bikes halbwegs laufen, erst wieder ab Do und dann hoffentlich aus China melden.

Euch allen eine gute Zeit.

Brummi

06.10.13 Kirgistan von seiner schoensten Seite

Gestern wurde es doch fast 13.30 Uhr, bis wir endlich aus Osch fort waren. Tanken und Geldumtausch dauert hier eben etwas laenger. Abends haben wir dann fast noch den ersten See, den Togtugul erreicht.

Heute morgen sprang keine unserer Bikes an. Zudem mussten wir bei der Ueberpruefung unseres Benzinkochers (noch bei Muztoo), eine kleine Platte, die zum Verdampfen des Benzins dient, verloren haben. Was tun? Joe bastellt kurzerhand aus einem Loeffelstiel ein Ersatzteil und so gibt es morgens wenigstens heissen Tee und Kaffee. Ich habe mit meinen Reisepartner schon richtig Glueck: Peppi von den Stadtwerken war handwerklich eh topfit und Joe, der aus einem Bauernhof in Pfahldorf stammt, steht ihm nicht weit nach.

Wir schieben die Bikes dann eben an und muessen uns in Zukunft halt abends ein Plaetzchen suchen, an dem es ein wenig bergab geht. Kein Problem.

Wir erreichen den sehr grossen See, tanken, und verlassen dann die Hauptstrasse in Richtung Song Kul, einem kleinen, wunderbar gelegen Bergsee. Ab jetzt gehts nur noch im Schotter weiter, der zu Beginn aber sehr einfach zu fahren ist.

Nach 190 km finden wir einen unbeschreiblichen Lagerplatz in der kirgisischen Bergwelt. Beim Abladen der Bikes bemerke ich erstmals, dass meine Batterie eigentlich viel zu warm ist, denke mir aber nicht viel dabei.

Leider wird ich vermutlich auch weiterhin keine Bilder einstellen koennen.

07.10.13 Das Unheil nimmt seinen Lauf

Wir sind auf einem Hochplateau und die Sonne kommt frueh heraus. Im Gegensatz zu gestern, wo es arschkalt war, koennen wir heute im T-Shirt die Zelte abbauen. Der Kocher lauft und bestens gelaunt lassen wir Bikes den leichten Abhang hinunterrollen und geben Gas.

Die Strecke wir immer atemberaubender, aber auch schwieriger. Oft sind gar keine Reifenspuren mehr zu sehen sondern nur noch Schaf- und Pferdespuren.

Langsam wir es uns doch ein wenig mulmig, denn ob man hier noch von groben Schotter, wie ich ihn aus den Alpen kenne, sprechen kann, ist doch sehr fraglich.

Nach drei Stunden bemerke ich beim Fotografieren Schwefelgeruch. Ich lade die Queen ab und will die Batterie ueberpruefen – sie ist so heiss, dass wir sie fast nicht ausbauen koennen.

Als wir sie schliesslich doch herausen haben, kuehlen wir sie notduerftig in einer Plastiktuette mit Wasser. Nach einer halben Stunde bauen wir sie wieder ein und versuchen, weiter zu kommen. Wir denken, dass wir vielleicht immer eine halbe Stunde fahren, dann an einem Bach halten, die Batterie kuehlen, und dann wieder eine halbe Stunde weiter kommen. Was sollen wir auch machen, dies ist eine der einsamsten Gegenden, die man sich nur vorstellen kann.

Es die naechsten 10 km fast nur bergab, so dass ich den Motor aus lassen kann. Aber die Strecke ist fuerchterlich, sie erinnert eher an ein ausgetrocknetes Bachbett, als an einen Fahrweg.

Als wir unten im Tal sind, ist die Batterie wieder kochend heiss, obwohl die Maschine fast nicht gelaufen ist. Doch schon die naechste Hiobsbotschaft, die Strasse geht nicht weiter, sie wurde vom Fluss weggespuehlt. Wir sitzen in einer Sackgasse. Batterie in den Bach und dann wieder rauf.

Wir kommen noch zwei Kilometer, dann ist die Batterie im hinueber und die Queen, oder sollte ich lieber sagen „Alte Frau“, von der ich noch vor wenigen Tagen „das wahrscheinlich zuverlaessigste Reisemotorrad der Welt“ macht seinen letzten Schnaufer und geht aus.

Wir sitzen wirklich am Arsch der Welt fest – unglaublich.

Ich habe das gleiche schon mit meiner Super Tenere erlebt, als ich auf einem Tagestripp in die Alpen morgens ueber die Donnersberger Bruecke in Muenchen fuhr und nicht ahnte, dass ich abends mit dem zug dort unten durch fahren wuerde. Damals war der Regler kaputt und ich vermute stark, dass dies auch diesmal der Grund ist.

Wir finden ein halbwegs geraden Platz und bauen die Zelte auf. Was sollen wir machen. Joe hat keine Karte fuer das Handy, wir koennen nicht telefonieren und sollen uebermorgen an der chinesischen Grenze sein – die Hoffnung sinkt gegen null.

08.10.13 Warten

Nachts haben wir beide fast keinen Schlaf gefunden, zu viele Gedanken gingen uns durch den Kopf. Wenigstens haben wir Essen fuer mehrere Tage und Wasser fliesst direkt neben dem Zelt.

Eigentlich gibt es nur zwei Moeglichkeiten: Entweder wir versuchen hier ein Fahrzeug von einem Einheimischen aufzutreiben, auf dem wir die Queen aufladen und die fast 500 km zurueck nach Osch bringen koennen oder wir versuchen, jemanden zu finden, der uns telefonieren laesst und wir versuchen so Patrik von Muztoo zu erreichen, ob sie uns holen koennen.

Gegen 09.00 Uhr kommt tatsaechlich ein uralter Jeep, besetzt mit 2 Kirgiesen, vorbei und beiden haben ein Handy und noch dazu Verbindung. Tatsaechlich haben wir nach einer Minute Patrick an der Strippe und er verspricht, uns mit dem Toyota Gelaendewagen, holen zu lassen. Wir teilen ihm noch mit, dass es uns egal ist, ob noch heute jemand kommt oder morgen, wir haben genuegend zu Essen und China ist eh gestorben, das Schaffen wir nie mehr.

Wir hatten wieder mal riesiges Glueck im Unglueck, denn den ganzen Tag sind gerade mal zwei Autos vorbei gekommen.

Gegen 19 Uhr wird es dunkel und es ist schon fast 20 Uhr, es wird ziemlich kalt und wir wollen uns gerade in warmen Zelte verkriechen, als ploetzlich noch ein Jeep den Berg herunter kriecht – es ist Urs von Muztoo, der uns schon im letzten Jahr so wahnsinnig hilfreich unterstuetzt hat. Er ist sofort um 10 Uhr morgens aufgebrochen und hat uns nach 10 Fahrstunden ohne Pause gefunden – die Nacht der langen Messer kann beginnen.

09.10.13 Die Nacht der langen Messer ist ein Dreck dagegen – ehrlich

Urs fraegt und was uns lieber ist, er hat sein Zelt dabei und kann hier uebernachten oder wir laden auf und verschwinden sofort. Auf den Einwand, ob er keine Pause braucht, sagte er nur, das geht schon.

Im Dunkeln bauen wir die Zelte ab. Die BMW passt mit ausgebauten Vorderreifen innen rein und Honda kommt hinten quer auf eine Tragevorrichtung und wird dort festgezurrt. Ob das haelt? Urs meint, das geht schon.

Um 22 Uhr starten wir. Wir muessen den ganzen Berg wieder rauf auf diesem unbeschreiblichen Weg. Nach 5 Minuten hat der Lenker der Queen die Heckscheibe des Toyota zertruemmert und die Queen hat sich durch das unvorstellbare Geschuettel aus der Verankerung geloest und steht wieder auf dem Boden. Dann heben wir sie eben wieder rauf und fahren weiter, meint Urs. Joe und ich haben die groessten Zweifel, ob das ueberhaupt so funktionieren kann. Zu dritt den 220 kg-Brocken gut 30-40 cm auf die Vorrichtung zu bringen, ist beileibe kein Kinderspiel.

Das Ganze passiert und siebenmal in dieser Nacht, das letzte Mal gegen 5 Uhr auf einer Hoehe von fast 4000 m bei eisigstem Wind und fuerterlichen Temperaturen. Urs ist eine etwas andere Strecke zurueck gefahren und die war noch fuerterlicher. Ich sitzte vorne und klammere mich staendig mit beiden Haenden an dem Haltegriff fest und Joe liegt irgendwo hinten, halb auf dem BMW – beiden war uns schon nach kurzem schlecht von dem unvorstellbarem Geschaukel. Ob wir ihn mal abloesen sollen, fragen wir Urs: da wird mir nur schlecht. 

Es war ein fuerchterliche Nacht, ich brauche nicht erwaehnen, dass wir die nie vergessen werden und nie, nie mehr erleben moechten. Ich setzte mich mit 1000prozentiger Sicherheit nie mehr in ein Gelaendewagen, der auch richtig im Gelaende faehrt. Aber was dieses Ding ausgehalten hat – allen, allen Respekt.

Gegen 14 Uhr laufen wir im Hof von Muztoo ein. Urs ist 28 Std ohne Pause gefahren, davon bestimmt 15 in schwierigstem Schotter – Wahnsinn.

Patrik ist da und wir koennen die Queen notduerftig reparieren. Sie bekommt eine kleinere Yamaha-Batterie und den Regler von einer Transalp, die dort abgestellt ist. Die Stecker werden notduerftig umgebaut und wir fahren total, total fertig in ein Hotel.

Dort meldet sich Joe ueber das Wlan bei Tibetreisen und teilt diesen mit, dass wir es bis morgen frueh 10 Uhr, da sollen wir an der Grenze sein, nicht schaffen werden. Wir freunden uns schon mal mit der Rueckreise durch den Iran an.

10.10.13 China?

Um 10 Uhr dann endlich Nachricht von den Chinesen. Wir koennen einen Tag spaeter einreisen, was uns aber 400 dollar extra kostet, da sie einen neuen Guide brauchen, der uns an der Grenze abholt.

Wir sind einverstanden und brechen eine halbe Stunde spaeter in Richtung Grenze auf – 500 km, davon wieder ueber 300 im Schotter.

Mit der schachen Batterie springt die Queen wieder nicht an – aber jetzt ist schon alles egal, wir geben richtig Gas.

Der erste Pass und ploetzlich ein neuen Problem, die BMW geht immer wieder aus. Joe meint, irgend ein Dreck muss im Vergasser sein. Nach weiteren Stunden kommt er drauf, dass der Seitenstaenderschalter hin sein muss, denn er gibt immer wieder das falsche Signal, dass er unten ist. Joe ist waehrend der fahrt nur noch mit dem linken Bein am Rumfummeln am Staender (BMW).

Wir fahren bis weit in die Dunkelheit, denn morgens um 10 sollen wir ja an der Genze sein.