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Archiv für die Kategorie „Peru“

31.05.2016 Cordillera Blanca

Dienstag, 31.05.16 (44. Tag)

Die Cordillera Blanca (die weißen Berge), die wir gestern erreicht haben, sind das nördlichste Ziel unserer Reise. Ab morgen geht es nur noch in Richtung Süden. Über die Hälfte der Reise ist vorbei und der Kilometerzähler steht auf 8500 km.

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen und möchten von Caraz aus nur 45 km hoch in die Cordillera und uns zwei herrliche, türkisblaue Andenseen auf 3800 m (so der Reiseführer) ansehen, die Lagunas Llanganuco.

K1600_Auftakt

Doch so ruhig wie erwartet wird es nicht, denn die letzten 30 km haben es wieder einmal in sich. Die brutale Piste ist übersäht mit kleinen, spitzen Felsbrocken und schon nach wenigen Km tun uns unsere Reifen leid. Sie sind eh nicht mehr in bestem Zustand und man sieht ihnen die gefahrenen Km deutlich an.

K1600_Grober Schotter

Da gehts nur im Schneckentempo voran, wenn du mit deinen Reifen noch über 5000 km vor dir hast

Für die 30 km brauchen wir zwei volle Stunden, oft quälen wir uns im ersten Gang nach oben.

K1600_1.Lagune

Die erste Lagune

Doch die Mühen sollen sich lohnen. Der Blick von oben auf die beiden Seen ist unbeschreiblich und wie zur Krönung wird alles, erneut bei Bilderbuchwetter, umrahmt von vergletscherten 6000ern. Ein Panorama, das seinesgleichen sucht!

K1600_Panorama

30.05.2016 Punta Huarapasca – unvergesslich!

Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Gestern abend, den ersten Tag, an dem Karl und ich alleine unterwegs waren, mussten wir auf den letzten 100 km ein wahres Schlaglochgewitter über uns ergehen lassen. Ein Piste, wie ich sie wirklich noch nie gesehen, geschweige denn gefahren bin. Wenn du auf gefühlten 4 qm ca. 20 Schlaglöcher hast, dann kannst du nicht mehr ausweichen, unmöglich, du musst einfach durch. Unser Stundenschnitt senkte sich auf unter 30 km/h und so hatten wir abends große Mühe, wir fuhren ewig an einem Berghang abwärts, überhaupt einen Platz für die Zelte zu finden.

K1600_Schlagloch

Schlaglochgewitter

Schließlich klappte es aber doch! Wir überquerten eine Fußgängerhängebrücke und fanden an der anderen Flussseite eine Lagerplatz der Katergorie „unvergesslich“ – vor allem wegen der abenteuerlichen Brücke.

K1600_Hängebrücke

Hangover

Unerwartet werden wir jedoch am anderen Tag für die Schlaglochmühen entschädigt, aber wie.

Die schönste Straße/Piste die ich bisher gefahren bin war die „White Rim“ im Canyonland-Nationalpark in Utah. Heute kommt völlig unerwartet ein Pass hinzu, der es mit der White Rim aufnehmen kann.

Auf dem 4720 m hohen Abra Yanashalle Pass biegen wir nach rechts ab in den Pass Punta Huarapasca (4780 m). Schon nach einem Kilometer raubt es uns den Atem – wir biegen um die Ecke und haben einen ersten Blick auf die vergletscherten Berge unseres nördlichsten Ziel der Reise, der Cordillera Blanca. Die Streckenführung ist unfassbar, die Ausblicke auf die Berge unbeschreiblich. Wir kommen kaum voran. Immer wieder halten wir zum fotografieren.

K1600_Cordillera1

67 km Schotter, wir treffen keine Menschenseele. Die Ruhe ist unbeschreiblich. Um uns herum majestätische Berge. Wir sind einfach nur glücklich!

K1600_Cordillera2

In der Abfahrt vom Pass können wir noch ein Blick auf die Puya Raimondii, eine Riesenblume, die leider jetzt im Herbst nicht mehr blüht, die in Peru und Bolivien in einer Höhe zwischen 3500 und 4500 m beheimatet ist.

K1600_Riesenblumen

Puya Raimondii

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Caraz und finden schnell eine gute Lodge.

Morgen wir wollen wir Cordillera Blanca zweimal durchqueren.

30.05.2016 Panne und begrenzte Trennung

Samstag, 28.05.16 (41. Tag)

Kurz vor 11 Uhr passiert es: Hermann übersieht einen faustgroßen Stein und brettert mit ca. 80 km/h voll darüber. Er ist in diesem Moment Vorletzter und bleibt sofort stehen. Ich bin Schließender und erkenne sofort, dass er nicht wie üblich zum Fotografieren hält, sondern dass etwas passiert ist und halte neben ihm. Der Vorderreifen ist platt, die Stahlfelge hat etwas ab bekommen: „I hab an Stoa übesehn, forst die anderen nach!“

K1600_Stein

Der Ursprung allen Übels

Ich gebe ordentlich Gas und hole sie nach 10 km ein und wir fahren zurück zu Hermann.

K1600_Felge

Die Felge ist hin

Joe, unser Chefmechaniker, besieht sich den Schaden und versucht zuerst mit unserm Zelthammer die Felge wieder halbwegs gerade zu bekommen, ohne Erfolg.

Schließlich montiere ich den Reifen hinten bei mir auf der Queen und fahre zusammen mit Joe eine Werkstatt suchen.

K1600_Monteuer

Beim Monteur

Hier gibts auch noch ein Video zur peruanischen Monteursgewalt

Der Monteur versucht es zuerst mit roher Gewalt, nutzlos, auch er bekommt die Felge nicht gerade und zieht dann den Ersatzschlauch, den Hermann Gottseidank dabei hat, ein.

Wir können weiter.

16.00 Uhr: Wir stehen auf 4600 m auf einem Pass, halten kurz und als wir weiter, wieder runter ins Warme, wollen, ist Hermanns Hinterreifen ebenfalls platt. Auch die Hinterradfelge hat was ab bekommen und so ist auch hier, zwar langsam, die Luft entwichen.

K1600_Hinterrad

Nun ist auch noch der Hinterreifen platt

Mit dem Kompressor bringen wir wenigstens soviel Luft rein, dass wir unter 4000 m kommen und ziehen dann dort im Dunkeln neben den Zelten den zweiten Schlauch ein.

K1600_Nachts

Nachtmontage

Auch Joes Vorderradfelge hat schon eine gehörige Delle, er hat schon vor Tagen ein „Monsterschlagloch“ übersehen. Auch er muss ständig Luft nachfüllen, hatte aber Glück im Unglück, dass seine Alufelge nicht gebrochen ist.

Nun infomieren uns Hermann und Joe, dass sie nicht mit uns in die Cordillera Blanca fahren möchten, sondern schon jetzt Richtung Lima an den Pazifik wollen. Dort soll es wärmer sein.

Wir verabreden uns für Nascar und so setzen Karl und ich am nächsten Tag die Reise Richtung Norden alleine fort.

30.05.2016 Im Rausch der Anden – 5 Tage – 1700 km – 32453 Kurven – 1423 Kehren

Donnerstag, 26.05.16 (39. Tag) bis Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Tagesablauf:

Wecken 6 Uhr, Kaffee kochen, kurzes Frühstück

Abfahrt meist kurz nach 8 Uhr

Pausen zum Tanken, Essen oder Wasser kaufen, Mittagspause

ab 17 Uhr Suche eines Lagerplatzes

Zeltaufbau, Abendessen (Einbruck der Dunkelheit gegen 18 Uhr)

spätestens ab 19 Uhr wegen der Kälte ab in die Zelte

 

Es geht nur bergauf und bergab. Kurve reiht sich an Kurve. Das Wetter ist ein Traum, nur Sonne.

K1600_Andenrausch1

Das Fahren geht automatisch, aus dem Unterbewußtsein. Du wirst eins mit der Maschine, eine Einheit. Der Verkehr ist nie, außer in den stinkenden Städten, zuviel, doch die lassen wir nun schnell hinter uns. Die Anden gehören für 5 Tage uns! Süchtig nach Kurven!

K1600_Andenrausch2

Irgendwie habe ich das Gefühl, jetzt, endlich, sind wir angekommen. Das ist genau das, was ich wollte. Endlich raus aus den Städten, weg von den vielen Leuten, Natur pur.

K1600_höchster Pass

Am höchsten Pass Südamerikas

Abends das Zelt aufbauen und dann meist schnell in den warmen Schlafsack. Mehrmals übernachten wir an der 4000 m Marke und da gibt es nachts fast immer Frost.

K1600_Schatten

Noch im Schatten

Natürlich, ich gebe es gerne zu, ist es kein allzu großes Vergnügen, nach Tagesanbruck gegen 6 Uhr aus dem warmen Schlafsach zu krabbeln und das Zelt zu verlassen, aber das gehört dazu. Oder mitten in der Nacht aufs Klo zu müssen. Aber keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, was es für ein göttliches Gefühl ist, wenn dann um 7 Uhr die Sonne hinter den Bergen hervor kommt und du 15 Minuten später die dicke Motorradjacke weg legst und plötzlich im T-Shirt das Zelt abbaust.

K1600_Sonne

Göttliche Sonne und Wärme

Die Landschaft um uns herum wechselt fast im Viertel-Stunden-Takt. Wir können uns nicht an den Farben und der unglaublichen Weite der Landschaft satt sehen. Wir haben aufgehört, die 4000m-Pässe zu zählen. Der Staßenbelag wechselt von traumhaft bis zu groben Schotter und Schlagloch-Stakkato. Es ist einfach alles dabei.

Motorradfahren in Reinkultur!

 

 

24.05.2016 Machu Picchu

Dienstag, 24.05.16 (37. Tag)

Gestern sind wir mit Bus und Bahn von Cusco aus hierher nach Aguas Calientes angereist. Dies ist der Ausgangsort für den Besuch von Machu Picchu. Ein furchtbarer Touristenort, total überteuert.

Die Fahrt mit dem Zug, einer Schmalspurrumpelbahn, wie ich sie bisher nur in Korika erlebt habe, durch das Urumbambatal war dagegen ein Erlebnis. Für die ca. 80 km werden knapp zwei Stunden benötigt. Km um Km geht es tiefer, es wird zusehens wärmer und auch die Luftfeuchtigkeit nimmt wieder zu. Wir kommen noch einmal in einen dschungelartigen Bergwald, der aber gegenüber Rurrenabaque einen Vorteil besitzt: KEINE MOSQUITOS!

Abends begehen wir dann einen entscheidenden taktischen Fehler: obwohl wir wissen, dass der Wecker bereits um 4 Uhr läuten wird, wir wollen mit als Erste oben in der Ruinenanlage sein und dort den Sonnenaufgang erleben, versumpfen wir zum ersten Mal auf der Reise richtig.

Nach dem Abendessen schließt sich eine Runde halb Caipirinha, halb Bier nach der anderen an. Der eine möchte den Frust vom verpassten Clubaufstieg runter spülen, der andere, der mit dem crazy Austrian-Mega-Schnarcher ein Zimmer hat, hat Angst, dass er die ganze Nacht kein Auge zu bekommt und der Rest säuft anstandshalber mit. Es ist schon fast Mitternacht, als wir im Bett sind.

Trotzdem gehts um 4 Uhr raus aus den Federn. Es gibt zwei Alternativen, um hoch zu kommen: 12 Dollar für eine Busfahrt oder viel Energie für 1750 Treppen, um die über 400 Höhenmeter zu bewältigen. Wir haben uns schon zuvor für den Fußmarsch entschieden. Kurz bevor wir oben sind, beginnt es zu dämmern.

K1600_Fußmarsch

1750 Stufen hoch – für Motorradfahrer ein Horror

Karl braucht eine dreiviertel Stunde, Joe und ich etwa eine Stunde, Hermann 1 1/2 Stunden, meint aber oben: “ So schlecht bin ich doch nicht beinander, hearst. Jetzt bin ich 55 Jahre alt und rauche jeden Tag 60 Marlboro, und lasse einige junge Mädchen hinter mir.“

K1600_Wächter

Die Wächter von Machu Picchu

Der Reiseführer hat uns schon lange den Mund wässrig gemacht: „Der Besuch der inkaischen Felsenstadt Machu Picchu gilt als Höhepunkt jeder Perureise und ist die Attraktion Südamerikas schlechthin. Wer Machu Picchu nicht gesehen hat, hat scheinbar Peru nicht gesehen und damit auch nicht die kulturelle Ebenbürtigkeit und Genialität des Inkareiches gegenüber damaligen europäischen Kulturen erfahren.“

Über Machu Picchu gibt es noch viele Rätsel. Fest steht, dass sie um 1450 erbaut wurde und bis zu 1000 Menschen beherrbergt hat. Die meisten der Wohnhäuser und Tempel sind bis heute gut erhalten. Wahrscheinlich diente sie, aufgrund ihrer strategischen Lage, als Zuflucht- und Festungsort.

K1600_Machu Picchu

Der Postkartenblick

Wir verbringen Stunden in der Anlage und es gibt nur einen kleinen Wermuthstropfen. Beim Betreten geht man von unten her in Anlage und so erschließt sie sich einem erst langsam dieser unfassbare Postkartenblick. Wäre der Eingang von oben her und man hätte diesen gleich, dann wären wir wieder einmal so weit: er würde dir den Atem nehmen.

K1600_Terassen

Abends sind wir fetzenhin – ich bin noch nie an einem Tag soviele Treppen gesteigen.