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Archiv für die Kategorie „Peru“

08.06.2016 Arequipa – die weiße Stadt

Mittwoch, 08.06.16 (52. Tag)

Arequipa ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Perus. Beherrscht wird die Stadt vom 6075 m hohen Nevado Chachani. Durch die Nähe weiterer aktiver Vulkane werden in Arequipa täglich bis zu 12 Erdbeben unterschiedlicher Stärke registriert. Das historische Stadtzentrum wurde 2000 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. „Ciudad Blanca“ – der Ruhm der „Weißen Stadt“ als eine der schönsten Städte Perus besteht immer noch. Der Name kommt vom hellen Sillargestein, aus dem viele Gebäude bestehen. Das Sillar stammt von den vulkanischen Lockermassen des Chachani. Lange galten die mächtigen Sillarmauern Arequipas als erdbebensicher, doch die vielen mehr oder minder starken Erdbeben, die die Stadt erschüttern, brachten mit der Zeit zahlreiche Gemäuer zum Bröckeln.

Das Herzstück Arequipas ist die Plaza, die an drei Seiten sehr hübsch von zweistöckigen Arkadengängen umsäumt wird. In der Mitte findet sich eine sehr gepflegte Anlage mit alten Palmen – einfach traumhaft. Für mich persönlich, die schönste Plaza, die ich bisher in Südamerika gesehen habe.

Einzigartig in Peru ist zudem, dass die mächtige Kathedrale aus Sillarstein die gesamte Nordseite der Plaza einnimmt.

K1600_Kathedrale

Die Kathedrale von Arequipa

Ausgiebig Zeit nehmen wir uns für die Besichtung des Klosters Santa Catalina, dem größten Kloster Südamerikas, das auch die Stadt in der Stadt genannt wird.

K1600_Kloster

Die Straßen im Kloster Santa Catalina haben ihre Namen von spanischen Städten

Morgen brechen Karl und ich alleine aus Arequipa zum Salar de Uyuni auf, denn Hermann und Joe möchten noch einen Tag länger hier bleiben.

K1600_bei Nacht

Nachts auf der Plaza

K1600_Plaza nachts

 

07:06.2016 El Condor Pasa – Kondore im Colca Canyon

Dienstag, 07.06.16 (51. Tag)

Der Colca Canyon ist der zweittiefste Canyon der Erde. Während der Grand Canyon in den USA „nur“ eine Tiefe von 1800 m hat, ist der Colca Canyon an seiner tiefsten Stelle 3269 m tief. Der Besuch des Colca Canyon ist eine der attraktivsten Natursehenswürdigkeiten Perus.

K1600_Colca

Colca Canyon, der zweittiefste Canyon der Erde

Zudem bietet der Colca Canyon eine der noch wenigen guten Möglichkeiten, um Anden-Kondore in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

Hört sich doch alles sehr vielsprechend an und wenn ich nun noch anmerke, dass der Colca Canyon seinen Endpunkt in Chivay hat, dann ist es sicher nicht schwer zu erraten, dass wir einen Besuch fest eingeplant haben.

Bereits um 08 Uhr haben wir gepackt und brechen auf. Unser Ziel ist der Cruz de Condor, das Kreuz des Kondors, der beste Platz, um die Riesenvögel vielleicht zu sehen. Wir haben im Reiseführer gelesen, dass es wichtig ist, möglichst früh und bei gutem Wetter dort zu sein. Man blickt in ca. 1200 m Tiefe, ganz unten ist als dünner Strich der Rio Colca zu erkennen. Wenn man Glück hat, erheben sich die Kondore ab etwa 8 Uhr in die wärmenden Sonnenstrahlen und steigen je nach Thermik auf.

K1600_Cruz de Condor

Cruz de Condor

Wir erreichen das Cruz gegen 9 Uhr und sind überrascht, wieviele Frühaufsteher schon hier sind. Wir sind anscheinend die Letzten.

Welches Schauspiel wir dann in den nächsten 1 1/2 Stunden erleben dürfen, ist kaum zu glauben. Bis zu 10 Kondore steigen immer wieder aus dem Tal auf und genießen es anscheinend, über die Köpfe der begeisterten Zuschauer hinwegzuschweben.

K1600_Vor den Zuschauern

Der Kondor gehört zur Unterordnung der Geier und ist vom Aussterben bedroht. Mit einer Flügelspannweite bis zu 3,20 m ist der Kondor der größte Raubvogel der Erde. Die mächtigen Vögel werden bis zu 70 Jahre alt und ernähren sich hauptsächlich vom Aas.

K1600_3 Kondore

Gegen 10:30 ist das Schauspiel vorüber. Die Kondore sind weg und sollen erst gegen 16 Uhr wieder zurück kehren. Wiedereinmal haben wir riesiges Glück gehabt, denn nicht an jedem Tag sollen die Vögel überhaupt und dann noch so zahlreich zu sehen sein.

K1600_Kondor

Wir verlassen den Colca Canyon in Richtung Arequirpa, der weißen Stadt, wo wir gegen 16 Uhr eintreffen und morgen unsere letzte Stadtbesichtigung auf dem Programm steht.

06.06.2016 Zur Quelle des Amazonas

Montag, 06.06.16 (50. Tag)

Der Amazonas ist mit 6448 km der zweitlängste Fluss der Erde.

2001 hat ein internationales Expeditionsteam dank ausgefeilter Satellitentechnik seine Quelle in den peruanischen Anden, nur knapp 200 km von der Pazifikküste entfernt, gefunden. Demnach entspringt der Amazonas an einem Hang des 5597 Meter hohen Nevado Mismi, einem Vulkan im Süden Perus.

Der Nevado Mismi liegt im Norden von Chivay und genau dort sind wir gestern abend nach zwei abwechslungsreichen Tagen auf der Panamericana angekommen.

K1600_Auffahrt

Auffahrt zum Nevado Mismi

Es war Hermanns sehnlichster Wunsch, er hat sich die genauen Koordinaten besorgt, diese Quelle zu finden und dann einen Schluck frisches Amazonaswasser zu genießen.

K1600_Bergauf

Von 3800 m auf 5150 m – 30 km nur bergauf

Wir brechen morgens gegen 09:30 Uhr auf und zunächst geht es 20 km auf guter Straße zum kleinen Ort Tuti, an dessen Ende die Piste zum Mismi beginnen soll.

Problemlos finden wir die Abzweigung und schon nach wenigen Metern wird uns klar, das wird wieder kein Zuckerschlecken. Tiefe Schotter- und Sandpassagen, immer wieder faustgroße Felsstücke und steile Auf- und Abfahrten verlangen uns und den Bikes alles ab.

K1600_grandiose Gegend

Wieder in einer absolut grandiosen Gegend

Langsam kommt der Nevado Mismi ins Blickfeld, wir befinden uns inzwischen auf 4600 m Höhe und von vielen Internetbildern wissen wir ungefähr, wie die Umgebung der Quelle aussieht.

K1600_Nevado Mismi

Der Nevado Mismi im Blickfeld

Uns begegnet auf der ganzen Fahrt keine Menschenseele und man darf sich nur nicht vorstellen, hier oben ständig Wegweiser zu finden, es gibt keine. Immer wieder verzweigt sich die Fahrspur und oft können wir nur raten.

K1600_schwieriger

Das Gelände wird immer schwieriger

 

Schließlich passieren wir die 5000 m Marke und das Gelände wir immer schwieriger. Nach einer steilen Abfahrt endet schließlich die Spur an einem Geröllfeld und nach kurzer Suche, die jedoch auf 5150 m Höhe unvorstellbar anstrengend ist, stehen wir glücklich am Ziel – wir haben sie tatsächlich gefunden.

K1600_navi

Höhenmesser am Navi

Am Fuße einer senkrechten Felswand sprudelt das kühle, klare Wasser heraus und natürlich lässt es sich keiner von uns nehmen, davon zu kosten.

K1600_Karl gefunden

Karl an der Quelle

 

 

03.06.2016 Nasca-Linien

Freitag, 03.06.16 (47. Tag)

Wir brechen wieder früh auf, denn Hermann hat uns geschrieben, er ist schon zusammen mit Joe seit gestern in Nasca, dass er bereits für den Nachmittag einen Flug für uns reserviert hat.

Um 11 Uhr treffen wir die beiden und quartieren uns in gleiche Hotel ein.

Um 14:30 gehen wir zu dritt zum Reisebüro, nur Joe will nicht mit. Der Preis beträgt 62 Dollar, in der Hauptsaison, die nun langsam beginnt, gibts nichts unter 100 Dollar.

K1600_Ready

Ready for Takeoff

Die Nasca-Linien sind riesige Scharrbilder in der Umgebung von Nasca.

K1600_Linien

Die Nasca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km² schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapetzförmige Flächen sowie Figuren mit einer Größe von zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen.

K1600_Humminbird

Humminbird

Eine systematische Erkundung und Vermessung zusammen mit archäologischen Grabungen zwischen 2004 und 2009 im Umfeld und zum Teil in den Linien konnte ihre Entstehung und ihren Zweck mit hoher Wahrscheinlichkeit klären: Es handelte sich demnach um Gestaltungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen, die zwischen 800 und 600 v. Chr angelegt und durch periodische Klimaschwankungen veranlasst wurden.

K1600_Spider

Spider

 

02.06.2016 Canon del Pato, in einer anderen Welt und Traumoase

Donnerstag, 02.06.16 (46. Tag)

Gestern sind wir zeitig aus Caraz aufgebrochen. Der Weg führte uns nicht gleich an den Pazifik, nein, wir nahmen erneut einen Umweg in Kauf und der führte uns noch weiter ein kleines Stück nach Norden, wir wollten uns den Canon del Pato (Entenschlucht) nicht entgehen lassen.

K1600_Canon1

Der Canon del Pato ist aufgenommen in die Liste der most dangerous roads of the world. Die einspurige, meist sehr ausgesetzte und unbefestigte Straße, die mehrmals durch senkrechte Felswände führt, durchquert über 35 unbeleuchtete Tunnel und wird enger und enger.

K1600_Canon2

Unser Urteil: ein Meisterstück der Straßenbaukunst und in dieser Art in Europa nicht zu finden.

Danach war es nur noch ein Katzensprung bis um Pazifik und nun hatten wir wenigstens schon mal Südamerika von Ost nach West durchquert. Doch je näher wir dem Meer kamen, umso diesiger und nebeliger wurde es. Wir wußten es schon aus dem Reiseführer: in den Herbstmonaten ist die Pazifikküste meist im Nebel eingehüllt und die Sonne kommt hier kaum durch.

Und schon kam wirklich einer der großen Momente der Reise. Wir erreichten eine Vorfahrtsstraße und bogen nach links, Richtung Süden ab – wir, die Queen und ich, befanden uns auf einer der lengendärsten Straßen der Welt, wir fuhren von diesem Augenblick ab auf der Panamerican, die Amerika von Alaska bis Feuerland durchquert. Ein ganz besonderer Augenblick und mir kommt das Jahr 2001 in Erinnerung, damals fuhr ich, noch mit meiner Transalp, ein Stück dieser sagenumwobenen Straße in Kalifornien.

Und dann genügten nur wenige Kilometern auf der Panamericana und die ließen uns glauben, die wir die letzten Wochen nur in den Bergen verbracht hatten, auf einem anderen Erdteil, irgendwo in Afrika oder Asien zu sein – Sanddünen, Wüste und immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Pazifik.

K1600_Wüste

Auf einem anderen Erdteil

Sobald wir die Städte hinter uns ließen, ging der Verkehr gegen Null und wir kamen gut voran.

Abends schlugen wir die Zelte erstmals auf der Reise im Wüstensand auf und Karl und ich schliefen wie die Murmeltiere.

K1600_Lager

Wüstenlager

Heute morgen bekommt Karl, natürlich Karl, denn ich besitze immer noch kein Handy, eine Mail von Hermann, dass sie erst morgen in Nazca sein werden. So werden aus den geplanten 560 km, wir sitzen früh im Sattel, um die Strecke zu schaffen, „nur“ 420 km, was uns aber einen weiteren spektakulären Höhepunkt der Reise, eine Übernachtung in der Oase Huacachina, ermöglicht. Der Ort wir von traumhaften Sanddünen umschlossen und ist eine der touristischen Attraktionen Perus. Die Dünen zählen mit einer Höhe von 100 m zu den höchsten den Landes.

K1600_Lagune2

Die Oase Huacachina

Wir erreichen die Oase gegen 15:30 Uhr und mieten uns in einem guten Hotel ein. Nach einem kurzen Bad im Pool, kaum hatten wir den Dunst der Küste hinter uns gelassen, Huacachina liegt etwas im Landesinneren, wurde es wieder richtig warm, erklimmen wir die Düne direkt hinter dem Hotel. Es ist die erste Sanddüne, die ich besteige und als wir oben sind, können wir diesen sagenhaften Rundumblick nicht fassen.

K1600_Lagune3

In der einen Richtung nur traumhafte Sanddünen soweit das Auge reicht, unter uns wie gemalt die Oase und gegenüber die Großstadt Ika, immer wieder unterbrochen von einzelnen Dünen – Peppi würde sagen:“wunderschön!“

K1600_Lagune1

Und dann gehts die 100 Höhenmeter praktisch im Sprint im Sand bergab – ich komme mir vor wie ein Riese – einfach nur gigantisch (geil).

Morgen wird es dann endgültig nach Nazca gehen, das Flugzeug wartet schon auf uns, wir wollen die berühmten Nazca-Linien von oben in Augenschein nehmen.

 

 

31.05.2016 Cordillera Blanca

Dienstag, 31.05.16 (44. Tag)

Die Cordillera Blanca (die weißen Berge), die wir gestern erreicht haben, sind das nördlichste Ziel unserer Reise. Ab morgen geht es nur noch in Richtung Süden. Über die Hälfte der Reise ist vorbei und der Kilometerzähler steht auf 8500 km.

Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen und möchten von Caraz aus nur 45 km hoch in die Cordillera und uns zwei herrliche, türkisblaue Andenseen auf 3800 m (so der Reiseführer) ansehen, die Lagunas Llanganuco.

K1600_Auftakt

Doch so ruhig wie erwartet wird es nicht, denn die letzten 30 km haben es wieder einmal in sich. Die brutale Piste ist übersäht mit kleinen, spitzen Felsbrocken und schon nach wenigen Km tun uns unsere Reifen leid. Sie sind eh nicht mehr in bestem Zustand und man sieht ihnen die gefahrenen Km deutlich an.

K1600_Grober Schotter

Da gehts nur im Schneckentempo voran, wenn du mit deinen Reifen noch über 5000 km vor dir hast

Für die 30 km brauchen wir zwei volle Stunden, oft quälen wir uns im ersten Gang nach oben.

K1600_1.Lagune

Die erste Lagune

Doch die Mühen sollen sich lohnen. Der Blick von oben auf die beiden Seen ist unbeschreiblich und wie zur Krönung wird alles, erneut bei Bilderbuchwetter, umrahmt von vergletscherten 6000ern. Ein Panorama, das seinesgleichen sucht!

K1600_Panorama

30.05.2016 Punta Huarapasca – unvergesslich!

Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Gestern abend, den ersten Tag, an dem Karl und ich alleine unterwegs waren, mussten wir auf den letzten 100 km ein wahres Schlaglochgewitter über uns ergehen lassen. Ein Piste, wie ich sie wirklich noch nie gesehen, geschweige denn gefahren bin. Wenn du auf gefühlten 4 qm ca. 20 Schlaglöcher hast, dann kannst du nicht mehr ausweichen, unmöglich, du musst einfach durch. Unser Stundenschnitt senkte sich auf unter 30 km/h und so hatten wir abends große Mühe, wir fuhren ewig an einem Berghang abwärts, überhaupt einen Platz für die Zelte zu finden.

K1600_Schlagloch

Schlaglochgewitter

Schließlich klappte es aber doch! Wir überquerten eine Fußgängerhängebrücke und fanden an der anderen Flussseite eine Lagerplatz der Katergorie „unvergesslich“ – vor allem wegen der abenteuerlichen Brücke.

K1600_Hängebrücke

Hangover

Unerwartet werden wir jedoch am anderen Tag für die Schlaglochmühen entschädigt, aber wie.

Die schönste Straße/Piste die ich bisher gefahren bin war die „White Rim“ im Canyonland-Nationalpark in Utah. Heute kommt völlig unerwartet ein Pass hinzu, der es mit der White Rim aufnehmen kann.

Auf dem 4720 m hohen Abra Yanashalle Pass biegen wir nach rechts ab in den Pass Punta Huarapasca (4780 m). Schon nach einem Kilometer raubt es uns den Atem – wir biegen um die Ecke und haben einen ersten Blick auf die vergletscherten Berge unseres nördlichsten Ziel der Reise, der Cordillera Blanca. Die Streckenführung ist unfassbar, die Ausblicke auf die Berge unbeschreiblich. Wir kommen kaum voran. Immer wieder halten wir zum fotografieren.

K1600_Cordillera1

67 km Schotter, wir treffen keine Menschenseele. Die Ruhe ist unbeschreiblich. Um uns herum majestätische Berge. Wir sind einfach nur glücklich!

K1600_Cordillera2

In der Abfahrt vom Pass können wir noch ein Blick auf die Puya Raimondii, eine Riesenblume, die leider jetzt im Herbst nicht mehr blüht, die in Peru und Bolivien in einer Höhe zwischen 3500 und 4500 m beheimatet ist.

K1600_Riesenblumen

Puya Raimondii

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Caraz und finden schnell eine gute Lodge.

Morgen wir wollen wir Cordillera Blanca zweimal durchqueren.

30.05.2016 Panne und begrenzte Trennung

Samstag, 28.05.16 (41. Tag)

Kurz vor 11 Uhr passiert es: Hermann übersieht einen faustgroßen Stein und brettert mit ca. 80 km/h voll darüber. Er ist in diesem Moment Vorletzter und bleibt sofort stehen. Ich bin Schließender und erkenne sofort, dass er nicht wie üblich zum Fotografieren hält, sondern dass etwas passiert ist und halte neben ihm. Der Vorderreifen ist platt, die Stahlfelge hat etwas ab bekommen: „I hab an Stoa übesehn, forst die anderen nach!“

K1600_Stein

Der Ursprung allen Übels

Ich gebe ordentlich Gas und hole sie nach 10 km ein und wir fahren zurück zu Hermann.

K1600_Felge

Die Felge ist hin

Joe, unser Chefmechaniker, besieht sich den Schaden und versucht zuerst mit unserm Zelthammer die Felge wieder halbwegs gerade zu bekommen, ohne Erfolg.

Schließlich montiere ich den Reifen hinten bei mir auf der Queen und fahre zusammen mit Joe eine Werkstatt suchen.

K1600_Monteuer

Beim Monteur

Hier gibts auch noch ein Video zur peruanischen Monteursgewalt

Der Monteur versucht es zuerst mit roher Gewalt, nutzlos, auch er bekommt die Felge nicht gerade und zieht dann den Ersatzschlauch, den Hermann Gottseidank dabei hat, ein.

Wir können weiter.

16.00 Uhr: Wir stehen auf 4600 m auf einem Pass, halten kurz und als wir weiter, wieder runter ins Warme, wollen, ist Hermanns Hinterreifen ebenfalls platt. Auch die Hinterradfelge hat was ab bekommen und so ist auch hier, zwar langsam, die Luft entwichen.

K1600_Hinterrad

Nun ist auch noch der Hinterreifen platt

Mit dem Kompressor bringen wir wenigstens soviel Luft rein, dass wir unter 4000 m kommen und ziehen dann dort im Dunkeln neben den Zelten den zweiten Schlauch ein.

K1600_Nachts

Nachtmontage

Auch Joes Vorderradfelge hat schon eine gehörige Delle, er hat schon vor Tagen ein „Monsterschlagloch“ übersehen. Auch er muss ständig Luft nachfüllen, hatte aber Glück im Unglück, dass seine Alufelge nicht gebrochen ist.

Nun infomieren uns Hermann und Joe, dass sie nicht mit uns in die Cordillera Blanca fahren möchten, sondern schon jetzt Richtung Lima an den Pazifik wollen. Dort soll es wärmer sein.

Wir verabreden uns für Nascar und so setzen Karl und ich am nächsten Tag die Reise Richtung Norden alleine fort.

30.05.2016 Im Rausch der Anden – 5 Tage – 1700 km – 32453 Kurven – 1423 Kehren

Donnerstag, 26.05.16 (39. Tag) bis Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Tagesablauf:

Wecken 6 Uhr, Kaffee kochen, kurzes Frühstück

Abfahrt meist kurz nach 8 Uhr

Pausen zum Tanken, Essen oder Wasser kaufen, Mittagspause

ab 17 Uhr Suche eines Lagerplatzes

Zeltaufbau, Abendessen (Einbruck der Dunkelheit gegen 18 Uhr)

spätestens ab 19 Uhr wegen der Kälte ab in die Zelte

 

Es geht nur bergauf und bergab. Kurve reiht sich an Kurve. Das Wetter ist ein Traum, nur Sonne.

K1600_Andenrausch1

Das Fahren geht automatisch, aus dem Unterbewußtsein. Du wirst eins mit der Maschine, eine Einheit. Der Verkehr ist nie, außer in den stinkenden Städten, zuviel, doch die lassen wir nun schnell hinter uns. Die Anden gehören für 5 Tage uns! Süchtig nach Kurven!

K1600_Andenrausch2

Irgendwie habe ich das Gefühl, jetzt, endlich, sind wir angekommen. Das ist genau das, was ich wollte. Endlich raus aus den Städten, weg von den vielen Leuten, Natur pur.

K1600_höchster Pass

Am höchsten Pass Südamerikas

Abends das Zelt aufbauen und dann meist schnell in den warmen Schlafsack. Mehrmals übernachten wir an der 4000 m Marke und da gibt es nachts fast immer Frost.

K1600_Schatten

Noch im Schatten

Natürlich, ich gebe es gerne zu, ist es kein allzu großes Vergnügen, nach Tagesanbruck gegen 6 Uhr aus dem warmen Schlafsach zu krabbeln und das Zelt zu verlassen, aber das gehört dazu. Oder mitten in der Nacht aufs Klo zu müssen. Aber keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, was es für ein göttliches Gefühl ist, wenn dann um 7 Uhr die Sonne hinter den Bergen hervor kommt und du 15 Minuten später die dicke Motorradjacke weg legst und plötzlich im T-Shirt das Zelt abbaust.

K1600_Sonne

Göttliche Sonne und Wärme

Die Landschaft um uns herum wechselt fast im Viertel-Stunden-Takt. Wir können uns nicht an den Farben und der unglaublichen Weite der Landschaft satt sehen. Wir haben aufgehört, die 4000m-Pässe zu zählen. Der Staßenbelag wechselt von traumhaft bis zu groben Schotter und Schlagloch-Stakkato. Es ist einfach alles dabei.

Motorradfahren in Reinkultur!

 

 

24.05.2016 Machu Picchu

Dienstag, 24.05.16 (37. Tag)

Gestern sind wir mit Bus und Bahn von Cusco aus hierher nach Aguas Calientes angereist. Dies ist der Ausgangsort für den Besuch von Machu Picchu. Ein furchtbarer Touristenort, total überteuert.

Die Fahrt mit dem Zug, einer Schmalspurrumpelbahn, wie ich sie bisher nur in Korika erlebt habe, durch das Urumbambatal war dagegen ein Erlebnis. Für die ca. 80 km werden knapp zwei Stunden benötigt. Km um Km geht es tiefer, es wird zusehens wärmer und auch die Luftfeuchtigkeit nimmt wieder zu. Wir kommen noch einmal in einen dschungelartigen Bergwald, der aber gegenüber Rurrenabaque einen Vorteil besitzt: KEINE MOSQUITOS!

Abends begehen wir dann einen entscheidenden taktischen Fehler: obwohl wir wissen, dass der Wecker bereits um 4 Uhr läuten wird, wir wollen mit als Erste oben in der Ruinenanlage sein und dort den Sonnenaufgang erleben, versumpfen wir zum ersten Mal auf der Reise richtig.

Nach dem Abendessen schließt sich eine Runde halb Caipirinha, halb Bier nach der anderen an. Der eine möchte den Frust vom verpassten Clubaufstieg runter spülen, der andere, der mit dem crazy Austrian-Mega-Schnarcher ein Zimmer hat, hat Angst, dass er die ganze Nacht kein Auge zu bekommt und der Rest säuft anstandshalber mit. Es ist schon fast Mitternacht, als wir im Bett sind.

Trotzdem gehts um 4 Uhr raus aus den Federn. Es gibt zwei Alternativen, um hoch zu kommen: 12 Dollar für eine Busfahrt oder viel Energie für 1750 Treppen, um die über 400 Höhenmeter zu bewältigen. Wir haben uns schon zuvor für den Fußmarsch entschieden. Kurz bevor wir oben sind, beginnt es zu dämmern.

K1600_Fußmarsch

1750 Stufen hoch – für Motorradfahrer ein Horror

Karl braucht eine dreiviertel Stunde, Joe und ich etwa eine Stunde, Hermann 1 1/2 Stunden, meint aber oben: “ So schlecht bin ich doch nicht beinander, hearst. Jetzt bin ich 55 Jahre alt und rauche jeden Tag 60 Marlboro, und lasse einige junge Mädchen hinter mir.“

K1600_Wächter

Die Wächter von Machu Picchu

Der Reiseführer hat uns schon lange den Mund wässrig gemacht: „Der Besuch der inkaischen Felsenstadt Machu Picchu gilt als Höhepunkt jeder Perureise und ist die Attraktion Südamerikas schlechthin. Wer Machu Picchu nicht gesehen hat, hat scheinbar Peru nicht gesehen und damit auch nicht die kulturelle Ebenbürtigkeit und Genialität des Inkareiches gegenüber damaligen europäischen Kulturen erfahren.“

Über Machu Picchu gibt es noch viele Rätsel. Fest steht, dass sie um 1450 erbaut wurde und bis zu 1000 Menschen beherrbergt hat. Die meisten der Wohnhäuser und Tempel sind bis heute gut erhalten. Wahrscheinlich diente sie, aufgrund ihrer strategischen Lage, als Zuflucht- und Festungsort.

K1600_Machu Picchu

Der Postkartenblick

Wir verbringen Stunden in der Anlage und es gibt nur einen kleinen Wermuthstropfen. Beim Betreten geht man von unten her in Anlage und so erschließt sie sich einem erst langsam dieser unfassbare Postkartenblick. Wäre der Eingang von oben her und man hätte diesen gleich, dann wären wir wieder einmal so weit: er würde dir den Atem nehmen.

K1600_Terassen

Abends sind wir fetzenhin – ich bin noch nie an einem Tag soviele Treppen gesteigen.