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Archiv für die Kategorie „Bolivien 1“

11.05.2016 Rurrenabaque

Dienstag, 10.05.16 (23. Tag)

Und Moritz sollte wirklich recht behalten. Es wurde eine der brutalsten Pisten, die ich je gefahren bin. Es gab zwar keine Abgründe wie bei der Todesstraße, dennoch blieben wir noch bis zum Ende des gestrigen Tages in den östlichen Ausläufern der Anden und es ging ständig bergauf und bergab. Der Straßenbelag war vom feinsten: Schlammpassagen, tiefer Kieselschotter (ich möchte mal wissen, was der sich gedacht hat, der den dort abgeladen hat – sicher nicht an einen österreichischen und drei deutsche Motorradfahrer), Felsen, tiefe Fahrrinnen und Sand. Zum Teil schafften wir nur knapp über 20 km in der Stunde. Wie sollten wir da bis morgen in Rurrenabaque sein. Aber wir hatten Glück, es gab auch immer wieder Asphaltabschnitte und da gaben wir dann Gas. So schafften wir bis Ende des gestrigen Tages noch etwa 150 km. Als es zu dämmern begann, waren wir direkt auf einem Berg in 1200 m Höhe. Weit und breit nur die Straße und der Regenwald, wo sollten wir hier die Zelte aufschlagen.

K1600_Regenwald

Letzlich blieb uns wieder nur ein Platz direkt neben der Straße. Zu allem Glück regnete es beim Aufbau der Zelt, es war eh schon fast finster, noch kräftig ab und damit dieser Lagerplatz endgültig in meiner Lagerplatzbeliebtheitsrangliste unter den letzten 10 Plätzen rangieren darf, fuhren auch noch die ganze Nacht Lkws (in dem brutalen Gelände mit geschätzen 5 km/h an uns vorbei) und in meinem Vorzelt hatte sich, ich vermute, ein grillenartiges Tier (oder besser Ungetier) breit gemacht, welches, so empfand ich es zumindest, mit Sicherheit, Vogellautstärke erreicht hat. (ungefähr alle 2 Sekunden).

Nach zwei vergeblichen Aufspürversuchen blieb mir nur, mich umzudrehen und mit dem Kopf nach unten zu „schlafen“.

11.05.2017 El Camino de la Muerte – Die Todesstraße

Montag, 09.05.16 (22. Tag)

Um 09:30 sitzen wir im Sattel und schon nach einer halben Stunde lassen wir die Stadtgrenze hinter uns. Das Wetter ist erneut optimal und schnell gewinnen wir an Höhe. Aus einer fast 4000 m hoch gelegenen Stadt noch an Höhe gewinnen? Richtig, es geht auf den 4725 m hohen La-Cumbre-Pass, das letzte Hindernis, bevor es in einer atemberaubenden Talfahrt auf 300 m Meereshöhe hinunter, in die bolivianischen Jungas, den Amazonasdschungel geht.

Oben am Pass macht Hermann einen sehr glücklichen Eindruck: „Ich habe meinen persönlichen Höhenrekord gebrochen. Der lag beim Akbaital-Pass in Tadschikistan bei knapp über 4600 m.“

Schon von weitem sehen wir, dass oben in der Passhöhe eine diche Wolkenwand hängt, die anscheinend von den Yungas herauf zieht. Und schon sind wir Nebel und es beginnt leicht zu regnen.

Um ins Tiefland hinuter zu kommen, haben wir uns was ganz besonderes ausgedacht. Wir wollen nicht auf der neugebauten Asphaltpiste runter rutschen, nein, wir wollen auf die „TODESSTRASSE“, die El Camino de la Muerte, die vor Jahren zu gefährlichsten Straße der Welt „gekürt“ wurde. Doch schon im Vorfeld erfuhren wir, dass sie inzwischen gesperrt sein soll und nur noch für Mountainbiker offen ist, die für nicht unerheblich viele US-Dollar von La Paz aus auf den Pass rauf gefahrn werden und dann mit dem Radl bis ganz nach unten runter donnern dürfen und dort, sollten sie noch alle da sein, dann wieder zurück nach La Paz verfrachtet werden.

K1600_Todesstraße 2

„Auf alle Fälle probieren wir es,“ meint Joe und schon stehen wir an einer ersten Absprerrung. Der aufgeregte Kassier hält kurz Rücksprache, jeder von uns bezahlt 25 B (ihr habt euch sicher inzwischen den Umrechnungskurz gemerkt) und wir halten das Ticket für unseren freiwilligen Selbstmordversuch in Händen.

08.05.2016 Muttertagsgrüße aus La Paz

Sonntag, 08.05.16 (20. Tag)

Gestern hatten wir einen Traummotorradtag! Als wir nach einer halben Stunde endlich aus Potosi raus gefunden hatten, ging es sofort los: strahlend blauer Himmel (natürlich war es den ganzen Tag ziemlich frisch), eine 1a-Straße, Kurve an Kurve, immer wieder Pässe über 4000 m und wieder eine fantastische Landschaft – wir waren in unserem Element, auch deswegen sind wir hier.

Als die ersten Lamas auftauchen, wußten wir, jetzt sind wir endültig in Bolivien angekommen, genau so haben wir es uns vorgestellt. Danach wurde das Fahren zwar wieder eintöniger, die Strecke verlief nun durch die Hochebenen des Altiplano und war kilometerlang schnurgerade, doch die Landschaft blieb abwechslungsreich: immer wieder andere Farben, die ersten Lagunen mit Flamingos erschienen neben der Straße und kurz vor La Paz sahen wir mit dem Huayna Potosi und dem Illimani, dem Wahrzeichen La Paz`s die ersten schneebedeckten Vulkane.

Dann erreichten wir gegen 17:30 Uhr die Stadtgrenze von El Alto und wir dachten wirklich, wir sind schon in La Paz. Wir wußten zwar, dass beide Millionenstädte direkt nebeneinander liegen, aber wo die Grenzen sind, war uns natürlich nicht gleich bekannt. Wir kämpften uns durch einen brutalen Feierabendverkehr, der mich stark an Kathmandu erinnerte. Hier gibt es kein rechts vor links, hier gibt es nur Gehupe und das Recht des Stärkeren.

Plötzlich passieren wir eine Mautstation und stehen an einer Bergkante. Und nun ging uns ein Licht auf, denn unter uns lag in einem Bergkessel, noch zur Hälfte im Licht der Abendsonne, La Paz. Einfach nur atemberaubenden, wie sich die Stadt in diesen Kessel gezwängt hat und an allen Seiten fast bis nach oben hinauf reicht.

Schnell waren wir unten und fanden schon beim dritten Versuch ein Hotel. Noch ein gutes Abendessen und schon waren wir im Bett nach fast 10 Stunden im Sattel.

06.05.2016 Im Cerro Rico

Freitag, 06.05.16 (19. Tag)

Pünktlich um 9 Uhr morgens stehen wir frierend vor der Agentur, bei der wir tags zuvor die Minentour gebucht haben. Die Temperatur sank Nachts nahe an den Gefrierpunkt, wogegen es tagsüber in der Sonne angenehm warm ist. Der Preis pro Person betägt 70 Bolivianos, etwa 9 Euro.

Mit einem der unzähligen Kleinbusse geht es in Richtung Cerro Rico, zum Fuß des Berges.

Der erste Halt ist am Markt der Mineros, an dem wir Geschenke für die Minenarbeiter kaufen: Cocazigaretten, Cocablätter, 96%igen Schnaps und Saftgetränke. An einer Abraumhalte halten wir dann wieder. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über Potosi. Danach geht’s zu einer kleinen Hütte zur Einkleidung. Jeder bekommt einen Helm mit Lampe, Jacke, Hose und Gummistiefel. „Ist denn der ganze Aufwand wirklich nötig,“ denke ich noch und bin 2 ½ Stunden später froh über jedes Teil der Ausrüstung.

Weiter zum Mineneingang. Im Entenmarsch geht es langsam in den Berg. Zum Glück passt die Höhe und selbst Karl, Hermann und ich können meist aufrecht gehen. „Attention guys,“ warnt uns plötzlich unsere englischsprachige Führerin und wir hören schon das Gerumpel. Eine vollbeladene Lore, geschoben von zwei vollkommen verdreckten Bergleuten, kommt auf uns zu. Doch wohin ausweichen, in dem engen Gang? Wir quetschen uns an die feuchte Wand und die über eine Tone schwere, bis obenhin mit Gesteinsbrocken gefüllte Lore donnert nur Zentimeter an uns vorbei. Und schon nach zwei Minuten wissen wir, diese Führung wäre so in Deutschland nie und nimmer möglich. Langsam dringen wir tiefer in den Berg ein, müssen aber immer wieder Loren aus beiden Richtungen Platz machen.

Im Lauf der Führung erfahren wir, dass die Mineros am Tag 100 Bolivianos, das sind etwa 12 Euro, für die 9 Stunden brutalste Knochenarbeit im Berg bekommen. Jeder sieht aus, abgesehen davon, dass sie von oben bis unten verdreckt sind, als käme er frisch vom Zahnarzt. Einer der Backen ist dick geschwollen. Inzwischen wissen wir natürlich schon, dass sie Cocablätter im Mund haben. „Der Vorrat hält ungefähr 4 Stunden,“erkärt unser Guide, „so verspüren die Arbeiter weder Müdigkeit noch Hunger.“ Na toll, denke ich mir, ist bestimmt sehr gesund – diese armen Schweine. Ein etwas naives Mädchen aus Israel fragt beim Guide nach, warum sich die Arbeiter keine andere Arbeit suchen? Es gibt hier nichts anderes, ist die einfache Antwort.

Im Verlauf der Führung sehen wir, wie eine Lore durch eine Rutsche gefüllt wird (d. h. wir sehen fast nichts, so staubt es), wie 4 Mineros unter unglaublicher Anstrengung eine gefüllte Lore, die aus dem Gleis gesprungen ist, wieder auf die Schienen bringen und steigen auf einfachsten Leitern 3 Stockwerke tiefer. Wenn ich dran denke, wie diese Leitern installiert wurden, in dieser Enge und diesem Dreck, weiß ich einfach nicht mehr, was ich noch sagen oder denken soll.

Plötzlich zucken wir alle zusammen und halten uns irgendwo ein. Der ganze Berg bebt und ein tiefer Knall folgt dem nächsten. Sprengungen. Unglaublich, wie nahe bei uns!

Als wir nach gut zwei Stunden die Mine wieder verlassen „dürfen“, bin ich doch sichtlich erleichtert, aber auch tief traurig darüber, was diese armen Menschen mitmachen müssen und wie sie ausgebeutet werden.

Morgen geht’s nach La Paz, 560 km, aber alles auf Asphalt – da heißts wieder mal Gas geben.

K1600_Mineros

Mineroes bereit zum Einsatz

K1600_In der Mine

05.05.2016 Nur ein Katzensprung nach Potosi

Donnerstag, 05.05.16 (18. Tag)

Gestern hatten wir einen weiteren „Ruhetag“ in Sucre. Karl und ich haben uns nochmals mit Bischof Adolf Bittschi getroffen. Vormittags führte er uns zu einem etwas höher gelegenen Franziskanerkloster, von dem aus man einen herrlichen Überblick über die Stadt hatte. Der ganze Stolz des Klosters ist eine tausendjährige Zeder, einer der mächtigsten Bäume die ich je gesehen habe.

Nachmittags waren wir erneut bei den Schwestern eingeladen und durften uns diesmal ausführlich mit der nun anwesenden Sozialarbeiterin und der Psychologien unterhalten. Dann war die Zeit zum Abschied nehmen gekommen und wir bedankten uns bei Herrn Bittschi, für die viele Zeit, die er sich für uns genommen hatte.

Obwohl uns heute nur ein „Katzensprung“ von 165 km nach Potosi bevorsteht, verlassen wir Sucre schon um 9 Uhr morgens. Schnell liegt die Stadtgrenze hinter uns und das Tanken hält uns diesmal nur knapp 20 Minuten auf. Wir gewinnen zunehmend an Höhe und auch heute ist die Fahrt wieder sehr abwechslungsreich. Verkehr gibt es praktisch überhaupt keinen. Immer wieder halten wir zum Fotografieren und kurz nach 12 Uhr erreichen wir die auf 4000 m Höhe gelegene Mienenstadt. Schon von weiten sehen wir den Cerro Rico (dt. Reicher Berg), an dessem Fuße die Stadt liegt. Sein Silberreichtum hat Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt gemachte und von seinem Silber- und Zinnvorkommen ist die Stadt noch heute abhängig.

Mit ihren 175.000 Einwohnern ist Potosi eine der höchstglegenen Großstädte der Welt. Das Zentrum von Potosí ist durchgehend im Kolonialstil gehalten und stammt fast vollständig aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z. B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Noch heute sterben viele Bergarbeiter (span. Minero) an Staublunge und Unfällen, zum Beispiel durch Explosionen. Nur die wenigsten Arbeiter besitzen eine Gasmaske oder sonst irgendeine Art von Schutzkleidung. Die Bergarbeiter und Führer durch die Minen berichten davon, dass sehr wenige Mineros mehr als 10 Jahre regelmäßig in den Minen arbeiten können und deren Lebenserwartung in etwa 45–50 Jahre beträgt.

Erwähnenswert ist der in der Stadt gelegene Mercado de los Mineros, der Markt der Minenarbeiter. Dort kann ein jeder hochexplosiven Sprengstoff ebenso wie 96-prozentigen Alkohol erwerben. Er gilt als der einzige öffentliche Markt der Welt, an dem man legal Dynamit kaufen kann.

Auch für uns gehts morgen in die Mine, sie ist für Touristen geöffnet, und anschließend werden wir uns auf dem Markt mit Dynamit eindecken – dann gibts beim Bergfest im Juli in Eichstätt mal eine richtige Hangabsprengung (für meine Bergfestfreunde, also zieht euch warm an).

Potosi

Potosi mit dem Cerra Rico (4800 m)