Nepalhilfe Beilngries

Aktueller Spendeneingang:
12329 €

Spenden für Bolivien

Aktueller Spendeneingang: 3518 €

Die nächsten Veranstaltungen

17.11. Schottland (Erik Peters)

18.11. Transafrika (Lena Klemm & Tobias Seiderer)

Besucherzähler:
  • 87877Besucher gesamt:
  • 53Besucher heute:
  • 63Besucher gestern:
  • 0Besucher momentan online:
  • 29. Januar 2012gezählt ab:

Archiv für die Kategorie „Bolivien 1“

16.5.2016 Isla del sol

Montag, 16.05.16 (29. Tag)

Wir haben Copacabana als Übernachtungsort ausgewählt, denn hier legen die Schiffe zur Isla del sol ab und da wollen wir heute hin.

Der ursprüngliche Name der Insel lautete Titicaca, nach dem später auch der Titicacasee benannt wurde. In der Mythologie der Inka soll der Sonnengott Inti seine Kinder auf einem Felsen der Isla del Sol zur Erde gelassen haben. Somit spielt die Isla del Sol in der Mythologie der Inka eine sehr große Rolle.

Nach zwei Stunden Fahrt, Fahrpreis 20 B einfach, erreichen wir das Nordende der bezaubernden Insel.

K1600_Skipper

Unser Skipper hat alles im Griff (äh im Fuß)

Wir bezahlen nochmal 10 B, damit wir einen alten Pfad zu der Stelle gehen dürfen, an der der Sonnengott seine Kinder abgesetzt hat.

K1600_Idylle auf Isla

Eine wirklich idyllische Insel ohne Autoverkehr: die Isla del Sol

Immer wieder haben wir fantastische Blicke auf den See und die umliegenden Inseln. Die Sonne brennt unerbärmlich in dieser Höhe, es hat bestimmt 20 Grad und wir müssen etwa 150 Höhenmeter auf einen Berg hinauf. Für Motorradfahrer in dieser Höhe sehr, sehr anstregend.

K1600_Schweine am Strand

Was für „Schweine“ sind denn hier am Strand? Das Wasser ist zu kalt zum Baden, deshalb haben die Schweine den einen oder anderen Strand für sich alleine.

Uns bleiben nur knapp 3 Stunden, dann fährt das Schiff schon wieder zurück, also auch nicht viel Zeit für große Pausen. Gegen 16:30 Uhr sind wir wieder zurück.

K1600_Isla Kinderstätte

Hier soll der Inkagott seine Kinder abgesetzt haben

Ein anstregender Ausflug, einmal ohne Moped, der sich aber unbedingt gelohnt hat und morgen gehts nach Peru, denn über die Hälfte des Sees gehört den Peruanern.

16.05.2016 Am Titticacasee

Sonntag, 15.05.16 (28. Tag)

Zu Tagesbeginn haben wir noch einmal 60 harte Kilometer in einem Flußtal vor uns, doch dann erreichen wir die Asphaltdecke der neuen Jungasstraße. Die Deathroad darf eh nur bergab befahren werden, so fällt uns die Entscheidung leicht. Macht aber nichts, wir wollen ja heute noch bis zum Titticacasee.

Und dann geht es auf sehr guter Straße über 50 km nur bergauf. Von den Tropen in einem Rutsch ins Eis auf 4700 m Höhe. Trotz der Magenprobleme stellt sich schnell Fahrspass pur ein.

K1600_die neue Yungas

Auch die neue Jungasstraße ist absolut fahrenswert

Doch der soll nur bis zur Stadtgrenze von La Paz halten. Schnell haben uns die Abgase und der mörderische Verkeht wieder ihrer Gewalt und das für ganze 2 Stunden. Beim Wegfahren in einer steilen Straße dann ein gehöriger Schrecken. Aus der Adventure von Karl steigen plötzlich ganze Rauchschwaden auf. Der erste Gang ist wesentlich länger als bei der Queen übersetzt und wir haben schon die Befürchtung, dass die Kupplung hinüber ist.

Wir warten fast eine halbe Stunde, bis sie halbwegs abgekühlt ist und Gott sei Dank geht es weiter. Es ist schon nach 16:30 Uhr, als wir den ersten Blick auf den See erhaschen und der hat es in sich.

Es ist bestes Wetter, die Sonne geht schon ins abendliche ockergelb über und der See ist dermaßen tiefblau, dass man es fast nicht glauben kann.

K1600_Erster Blick auf See

Der Titticacasee

Der Titticacasee liegt auf 3812 m Meereshöhe und ist das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Die Wasserqualität des Sees nahm in den letzten Jahren kontinurierlich ab und der Wasserstand sink ständig. Die Verschmutzung des Sees ist hauptsächlich auf Schadstoffe aus Abwässern der Großstadt Puno und Schwermetalle der nahegelegenen Minen zurückzuführen.

40 km vor Copacabana, nein, keine Sorge, wir haben uns nicht komplett verfahren und sind jetzt plötzlich in Rio, auch hier am See in Bolivien gibt es einen Ort mit dem gleichen Namen, müssen wir sogar noch für etwa 500 m auf eine Fähre und die hat es wirlich in sich.

16.05.2016 Raus aus dem Dschungel

Samstag, 14.05.16 (27. Tag)

Früh brechen wir aus Rurrenabaque auf. Wir müssen die gleichen 420 km zurück nach La Paz, wie wir gekommen sind, es gibt nur diesen einen Weg. Schnell durchqueren wir die Ebene auf der asphaltierten Straße und die Baustelle.

K1600_Geier

Im Dschungel sind überfahrene Tiere ein gefundenes Fressen für die Geier

Doch dann geht es stellenweise nur noch im Schritttempo voran. Auch hier im tropischen Regenwald muss es in den vergangenen Tagen viel geregnet haben. Die Straßen waren schon bei der Herfahrt oft naß und rutschig, doch nun haben sie sich in Schlammpisten verwandelt.

K1600_Schlammpiste

Nach einer Stunde sehen wir und die Bikes aus wie die Schweine. Da blutet das Herz des einen oder andern Adventure-Fahrers, bei denen Sauberkeit eigentlich ganz oben steht.

K1600_Karl im Dreck

Karl kämpft sich durch

Der Queen, die das auf Reisen gewohnt ist, entlocke ich nicht mal mehr ein: „Nicht schon wieder!“

K1600_voll Dreck

Nicht schon wieder

Zu allem Unheil meldet sich ab mittag auch bei mir der Magen – Montezumas Racheopfer Nr. 2

Abends haben wir knapp 250 km geschafft und wir finden einen relativ ruhigen Lagerplatz. Für mich wird es eine unruhige Nacht, es ist noch einmal stickig heiß im Zelt und ich schlafe nur in der Unterhose und muss immer wieder raus.

13.05.2016 Hermann`s Wunderkiste – Weltpremiere

Freitag, 13.05.16 (26. Tag)

Hermann konnte die Rückkehr aus dem Dschungel kaum erwarten. Nicht, dass es die Gelsen (so heißt es richtig; auf österreichischen Absolutslang ausgesprochen: Gössen) auch auf ihn so abgesehen hatten, wie auf mich, nein, er freute sich auf eine absolute Weltpremiere:

DIE ERSTE BMW R 1200 GS ADVENTURE MIT EINER BOLIVIANISCHEN HANDGEFERTIGTEN HOLZKISTE MIT METALLVERSTÄRKUNG

Kaum waren wir da, war Hermann auch schon beim Schmied, um seinen Liebling mit dem neuen Teil abzuholen. Hier das Ergebnis:

 

K1600_L1020762

 

13.05.2016 Im Dschungel

Mittwoch, 11.05.16 (24. Tag)

Noch am gestrigen Abend haben wir bei http://www.mashaquipeecotours.com/ unsere Dschungeltour gebucht. 160 Dollar pro Mann für zwei Tage mit einer Übernachtung.

Nachts werden wir wach, es regnet.

Auch beim sehr guten Frühstück in unserem Traumwellnesshotel hat sich nichts geändert, es schüttet. Um 8 Uhr sollten wir abgeholt werden und wir können die Tour um einen Tag verschieben.

K1600 Regen in Rurrenabaque

So vergeht der regenreiche Tag mit viel Schlaf und viel Email- und Homepagetätigkeit.

Donnerstag, 12.05.16 (25. Tag)

Heute sieht es mit dem Wetter besser aus. Der Fahrer von der Agentur steht wieder pünktlich um 08.00 Uhr vorm Hotel und bringt uns zum Büro. Dort wird uns unser Guide für die nächsten Tage vorgestellt: Ismael (Spitzname: Negro).

K1600 Ismael

Ismael, unser Dschungelquide ist natürlich immer bewaffnet

Und es lohnt sich wirklich, ihn, den absoluten Dschungelmenschen, genauer vorzustellen. Isamael hat drei Kinder von drei verschiedenen Frauen, ohne verheiratet zu sein. Seine ältere Tochter studiert in Freiburg, sein Sohn arbeitet in Frankfurt und seine jüngere Tochter ist erst drei Jahre alt. Er selbst ist 38. Er ist dort im Dschungel aufgewachsen, wo jetzt die Dschungellodge von Mashaquipe steht. Sein Motto lautetet: „Im Dschungel finderst du alles, was du zum Leben und zur Gesundheit brauchtst.“ Im Verlauf seiner Führungen erzählt er uns, dass es im Dschungel von der Rinde eines Baumes ein Krebsmittel gibt, mit dem er bei einem an Krebs erkrankten Freund in La Paz den Krebs nicht nur zum Stillstand sonder sogar geheilt hat. Natürlich sind solche Mittel bei uns nicht bekannt, dafür sorgt die Pharmaindustrie und deren Lobby schon, da kannst du aber Pfeilgift aus einer anderen Rinde drauf nehmen. Die Menschen, die im Dschungel leben, erkranken nicht an Krebs, nur in den Großstädten, berichtet Ismael weiter.

K1600 Hafen

Der Hafen von Rurrenabaque

Doch wieder einmal der Reihe nach: vom Büro der Argentur aus geht es zu Fuß zum „Hafen“ am Rio Beni, wir stechen mit einem 40-PS-Motor-Boot flußaufwärts in See (Fluß) und erreichen gegen 13 Uhr unsere Lodge, wo wir die Nacht verbringen werden (sehr sauber und in top Zustand).

Zuvor halten wir noch an einer kleinen Hütte am Fluß, in der außer einer älteren Frau anscheinend niemand lebt. Hier dürfen wir mit eigenen Händen Zuckerrohrsaft herstellen und diesen anschließend auch verköstigen.

K1600 Zuckerrohrpresse

An der Zuckerrohrpresse

Nachmittags geht’s dann wirklich in den Dschungel. Auf kleinsten Pfaden erreichen wir einen Felsen, den wir auch besteigen, an dem sich Papageien ihre Höhlen gegraben haben. Unterwegs passiert es aber schon, das erste Opfer von Montezumas Rache. Karl hat es erwischt.

K1600 Im Dschungel

 

So und nicht anders siehts im Dschungel aus

K1600 Papageien

Papageienpärchen im Anflug

Wir erreichen die Lodge erst wieder, als es schon Nacht ist und jetzt bin ich erneut am springenden Punkt: Gössen, Staunzen, Mosquitos, Drecksviecher, Ver….. sie haben mich fast gekillt. Eigentlich wollte ich den Pulli nicht ausziehen, aber es war einfach zu schwül und zu warm und das T-Shirt bot nun wirklich kein Hindernis. Nach einem sehr guten Abendessen, verziehen wir uns wiedereinmal früh ins Bett.

Freitag, 13.05.16 (26. Tag)

Karl verzichtet auf das Frühstück und schläft bis Mittag durch. Auch ich gebe klein bei, es kam, wie ich schon befürchtet habe, der Dschungel ist nun wirklich nicht mein Terrain, und so teile ich den anderen mit, dass ich die folgende dreistündige Wanderung nicht mitmachen werde und bei Karl hier in der Lodge bleiben werde. Ich gebe mich geschlagen, die Mosquitos waren wieder einmal stärker.

Mittags sind Joe, Hermann und Ismael zurück. Ismael hat ihnen viel Heilpflanzen gezeigt und ihnen viel über den Dschungel berichtet. Nach dem Mittagessen, auch Karl geht es inzwischen wieder besser, Ismael hat ihn hervorragend mit Dschungelmedizin versorgt, fahren wir  mit dem Boot zurück nach Rurrenabaque. Wir beziehen erneut unser Traumwellnesshotel direkt am Rio Beni, den wir nun schon viel besser kennen.

Zuletzt noch ein Video aus dem Dschungel

11.05.2016 Rurrenabaque

Dienstag, 10.05.16 (23. Tag)

Und Moritz sollte wirklich recht behalten. Es wurde eine der brutalsten Pisten, die ich je gefahren bin. Es gab zwar keine Abgründe wie bei der Todesstraße, dennoch blieben wir noch bis zum Ende des gestrigen Tages in den östlichen Ausläufern der Anden und es ging ständig bergauf und bergab. Der Straßenbelag war vom feinsten: Schlammpassagen, tiefer Kieselschotter (ich möchte mal wissen, was der sich gedacht hat, der den dort abgeladen hat – sicher nicht an einen österreichischen und drei deutsche Motorradfahrer), Felsen, tiefe Fahrrinnen und Sand. Zum Teil schafften wir nur knapp über 20 km in der Stunde. Wie sollten wir da bis morgen in Rurrenabaque sein. Aber wir hatten Glück, es gab auch immer wieder Asphaltabschnitte und da gaben wir dann Gas. So schafften wir bis Ende des gestrigen Tages noch etwa 150 km. Als es zu dämmern begann, waren wir direkt auf einem Berg in 1200 m Höhe. Weit und breit nur die Straße und der Regenwald, wo sollten wir hier die Zelte aufschlagen.

K1600_Regenwald

Letzlich blieb uns wieder nur ein Platz direkt neben der Straße. Zu allem Glück regnete es beim Aufbau der Zelt, es war eh schon fast finster, noch kräftig ab und damit dieser Lagerplatz endgültig in meiner Lagerplatzbeliebtheitsrangliste unter den letzten 10 Plätzen rangieren darf, fuhren auch noch die ganze Nacht Lkws (in dem brutalen Gelände mit geschätzen 5 km/h an uns vorbei) und in meinem Vorzelt hatte sich, ich vermute, ein grillenartiges Tier (oder besser Ungetier) breit gemacht, welches, so empfand ich es zumindest, mit Sicherheit, Vogellautstärke erreicht hat. (ungefähr alle 2 Sekunden).

Nach zwei vergeblichen Aufspürversuchen blieb mir nur, mich umzudrehen und mit dem Kopf nach unten zu „schlafen“.

11.05.2017 El Camino de la Muerte – Die Todesstraße

Montag, 09.05.16 (22. Tag)

Um 09:30 sitzen wir im Sattel und schon nach einer halben Stunde lassen wir die Stadtgrenze hinter uns. Das Wetter ist erneut optimal und schnell gewinnen wir an Höhe. Aus einer fast 4000 m hoch gelegenen Stadt noch an Höhe gewinnen? Richtig, es geht auf den 4725 m hohen La-Cumbre-Pass, das letzte Hindernis, bevor es in einer atemberaubenden Talfahrt auf 300 m Meereshöhe hinunter, in die bolivianischen Jungas, den Amazonasdschungel geht.

Oben am Pass macht Hermann einen sehr glücklichen Eindruck: „Ich habe meinen persönlichen Höhenrekord gebrochen. Der lag beim Akbaital-Pass in Tadschikistan bei knapp über 4600 m.“

Schon von weitem sehen wir, dass oben in der Passhöhe eine diche Wolkenwand hängt, die anscheinend von den Yungas herauf zieht. Und schon sind wir Nebel und es beginnt leicht zu regnen.

Um ins Tiefland hinuter zu kommen, haben wir uns was ganz besonderes ausgedacht. Wir wollen nicht auf der neugebauten Asphaltpiste runter rutschen, nein, wir wollen auf die „TODESSTRASSE“, die El Camino de la Muerte, die vor Jahren zu gefährlichsten Straße der Welt „gekürt“ wurde. Doch schon im Vorfeld erfuhren wir, dass sie inzwischen gesperrt sein soll und nur noch für Mountainbiker offen ist, die für nicht unerheblich viele US-Dollar von La Paz aus auf den Pass rauf gefahrn werden und dann mit dem Radl bis ganz nach unten runter donnern dürfen und dort, sollten sie noch alle da sein, dann wieder zurück nach La Paz verfrachtet werden.

K1600_Todesstraße 2

„Auf alle Fälle probieren wir es,“ meint Joe und schon stehen wir an einer ersten Absprerrung. Der aufgeregte Kassier hält kurz Rücksprache, jeder von uns bezahlt 25 B (ihr habt euch sicher inzwischen den Umrechnungskurz gemerkt) und wir halten das Ticket für unseren freiwilligen Selbstmordversuch in Händen.

08.05.2016 Muttertagsgrüße aus La Paz

Sonntag, 08.05.16 (20. Tag)

Gestern hatten wir einen Traummotorradtag! Als wir nach einer halben Stunde endlich aus Potosi raus gefunden hatten, ging es sofort los: strahlend blauer Himmel (natürlich war es den ganzen Tag ziemlich frisch), eine 1a-Straße, Kurve an Kurve, immer wieder Pässe über 4000 m und wieder eine fantastische Landschaft – wir waren in unserem Element, auch deswegen sind wir hier.

Als die ersten Lamas auftauchen, wußten wir, jetzt sind wir endültig in Bolivien angekommen, genau so haben wir es uns vorgestellt. Danach wurde das Fahren zwar wieder eintöniger, die Strecke verlief nun durch die Hochebenen des Altiplano und war kilometerlang schnurgerade, doch die Landschaft blieb abwechslungsreich: immer wieder andere Farben, die ersten Lagunen mit Flamingos erschienen neben der Straße und kurz vor La Paz sahen wir mit dem Huayna Potosi und dem Illimani, dem Wahrzeichen La Paz`s die ersten schneebedeckten Vulkane.

Dann erreichten wir gegen 17:30 Uhr die Stadtgrenze von El Alto und wir dachten wirklich, wir sind schon in La Paz. Wir wußten zwar, dass beide Millionenstädte direkt nebeneinander liegen, aber wo die Grenzen sind, war uns natürlich nicht gleich bekannt. Wir kämpften uns durch einen brutalen Feierabendverkehr, der mich stark an Kathmandu erinnerte. Hier gibt es kein rechts vor links, hier gibt es nur Gehupe und das Recht des Stärkeren.

Plötzlich passieren wir eine Mautstation und stehen an einer Bergkante. Und nun ging uns ein Licht auf, denn unter uns lag in einem Bergkessel, noch zur Hälfte im Licht der Abendsonne, La Paz. Einfach nur atemberaubenden, wie sich die Stadt in diesen Kessel gezwängt hat und an allen Seiten fast bis nach oben hinauf reicht.

Schnell waren wir unten und fanden schon beim dritten Versuch ein Hotel. Noch ein gutes Abendessen und schon waren wir im Bett nach fast 10 Stunden im Sattel.

06.05.2016 Im Cerro Rico

Freitag, 06.05.16 (19. Tag)

Pünktlich um 9 Uhr morgens stehen wir frierend vor der Agentur, bei der wir tags zuvor die Minentour gebucht haben. Die Temperatur sank Nachts nahe an den Gefrierpunkt, wogegen es tagsüber in der Sonne angenehm warm ist. Der Preis pro Person betägt 70 Bolivianos, etwa 9 Euro.

Mit einem der unzähligen Kleinbusse geht es in Richtung Cerro Rico, zum Fuß des Berges.

Der erste Halt ist am Markt der Mineros, an dem wir Geschenke für die Minenarbeiter kaufen: Cocazigaretten, Cocablätter, 96%igen Schnaps und Saftgetränke. An einer Abraumhalte halten wir dann wieder. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über Potosi. Danach geht’s zu einer kleinen Hütte zur Einkleidung. Jeder bekommt einen Helm mit Lampe, Jacke, Hose und Gummistiefel. „Ist denn der ganze Aufwand wirklich nötig,“ denke ich noch und bin 2 ½ Stunden später froh über jedes Teil der Ausrüstung.

Weiter zum Mineneingang. Im Entenmarsch geht es langsam in den Berg. Zum Glück passt die Höhe und selbst Karl, Hermann und ich können meist aufrecht gehen. „Attention guys,“ warnt uns plötzlich unsere englischsprachige Führerin und wir hören schon das Gerumpel. Eine vollbeladene Lore, geschoben von zwei vollkommen verdreckten Bergleuten, kommt auf uns zu. Doch wohin ausweichen, in dem engen Gang? Wir quetschen uns an die feuchte Wand und die über eine Tone schwere, bis obenhin mit Gesteinsbrocken gefüllte Lore donnert nur Zentimeter an uns vorbei. Und schon nach zwei Minuten wissen wir, diese Führung wäre so in Deutschland nie und nimmer möglich. Langsam dringen wir tiefer in den Berg ein, müssen aber immer wieder Loren aus beiden Richtungen Platz machen.

Im Lauf der Führung erfahren wir, dass die Mineros am Tag 100 Bolivianos, das sind etwa 12 Euro, für die 9 Stunden brutalste Knochenarbeit im Berg bekommen. Jeder sieht aus, abgesehen davon, dass sie von oben bis unten verdreckt sind, als käme er frisch vom Zahnarzt. Einer der Backen ist dick geschwollen. Inzwischen wissen wir natürlich schon, dass sie Cocablätter im Mund haben. „Der Vorrat hält ungefähr 4 Stunden,“erkärt unser Guide, „so verspüren die Arbeiter weder Müdigkeit noch Hunger.“ Na toll, denke ich mir, ist bestimmt sehr gesund – diese armen Schweine. Ein etwas naives Mädchen aus Israel fragt beim Guide nach, warum sich die Arbeiter keine andere Arbeit suchen? Es gibt hier nichts anderes, ist die einfache Antwort.

Im Verlauf der Führung sehen wir, wie eine Lore durch eine Rutsche gefüllt wird (d. h. wir sehen fast nichts, so staubt es), wie 4 Mineros unter unglaublicher Anstrengung eine gefüllte Lore, die aus dem Gleis gesprungen ist, wieder auf die Schienen bringen und steigen auf einfachsten Leitern 3 Stockwerke tiefer. Wenn ich dran denke, wie diese Leitern installiert wurden, in dieser Enge und diesem Dreck, weiß ich einfach nicht mehr, was ich noch sagen oder denken soll.

Plötzlich zucken wir alle zusammen und halten uns irgendwo ein. Der ganze Berg bebt und ein tiefer Knall folgt dem nächsten. Sprengungen. Unglaublich, wie nahe bei uns!

Als wir nach gut zwei Stunden die Mine wieder verlassen „dürfen“, bin ich doch sichtlich erleichtert, aber auch tief traurig darüber, was diese armen Menschen mitmachen müssen und wie sie ausgebeutet werden.

Morgen geht’s nach La Paz, 560 km, aber alles auf Asphalt – da heißts wieder mal Gas geben.

K1600_Mineros

Mineroes bereit zum Einsatz

K1600_In der Mine

05.05.2016 Nur ein Katzensprung nach Potosi

Donnerstag, 05.05.16 (18. Tag)

Gestern hatten wir einen weiteren „Ruhetag“ in Sucre. Karl und ich haben uns nochmals mit Bischof Adolf Bittschi getroffen. Vormittags führte er uns zu einem etwas höher gelegenen Franziskanerkloster, von dem aus man einen herrlichen Überblick über die Stadt hatte. Der ganze Stolz des Klosters ist eine tausendjährige Zeder, einer der mächtigsten Bäume die ich je gesehen habe.

Nachmittags waren wir erneut bei den Schwestern eingeladen und durften uns diesmal ausführlich mit der nun anwesenden Sozialarbeiterin und der Psychologien unterhalten. Dann war die Zeit zum Abschied nehmen gekommen und wir bedankten uns bei Herrn Bittschi, für die viele Zeit, die er sich für uns genommen hatte.

Obwohl uns heute nur ein „Katzensprung“ von 165 km nach Potosi bevorsteht, verlassen wir Sucre schon um 9 Uhr morgens. Schnell liegt die Stadtgrenze hinter uns und das Tanken hält uns diesmal nur knapp 20 Minuten auf. Wir gewinnen zunehmend an Höhe und auch heute ist die Fahrt wieder sehr abwechslungsreich. Verkehr gibt es praktisch überhaupt keinen. Immer wieder halten wir zum Fotografieren und kurz nach 12 Uhr erreichen wir die auf 4000 m Höhe gelegene Mienenstadt. Schon von weiten sehen wir den Cerro Rico (dt. Reicher Berg), an dessem Fuße die Stadt liegt. Sein Silberreichtum hat Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt gemachte und von seinem Silber- und Zinnvorkommen ist die Stadt noch heute abhängig.

Mit ihren 175.000 Einwohnern ist Potosi eine der höchstglegenen Großstädte der Welt. Das Zentrum von Potosí ist durchgehend im Kolonialstil gehalten und stammt fast vollständig aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z. B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Noch heute sterben viele Bergarbeiter (span. Minero) an Staublunge und Unfällen, zum Beispiel durch Explosionen. Nur die wenigsten Arbeiter besitzen eine Gasmaske oder sonst irgendeine Art von Schutzkleidung. Die Bergarbeiter und Führer durch die Minen berichten davon, dass sehr wenige Mineros mehr als 10 Jahre regelmäßig in den Minen arbeiten können und deren Lebenserwartung in etwa 45–50 Jahre beträgt.

Erwähnenswert ist der in der Stadt gelegene Mercado de los Mineros, der Markt der Minenarbeiter. Dort kann ein jeder hochexplosiven Sprengstoff ebenso wie 96-prozentigen Alkohol erwerben. Er gilt als der einzige öffentliche Markt der Welt, an dem man legal Dynamit kaufen kann.

Auch für uns gehts morgen in die Mine, sie ist für Touristen geöffnet, und anschließend werden wir uns auf dem Markt mit Dynamit eindecken – dann gibts beim Bergfest im Juli in Eichstätt mal eine richtige Hangabsprengung (für meine Bergfestfreunde, also zieht euch warm an).

Potosi

Potosi mit dem Cerra Rico (4800 m)