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Archiv für Mai 2016

30.05.2016 Punta Huarapasca – unvergesslich!

Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Gestern abend, den ersten Tag, an dem Karl und ich alleine unterwegs waren, mussten wir auf den letzten 100 km ein wahres Schlaglochgewitter über uns ergehen lassen. Ein Piste, wie ich sie wirklich noch nie gesehen, geschweige denn gefahren bin. Wenn du auf gefühlten 4 qm ca. 20 Schlaglöcher hast, dann kannst du nicht mehr ausweichen, unmöglich, du musst einfach durch. Unser Stundenschnitt senkte sich auf unter 30 km/h und so hatten wir abends große Mühe, wir fuhren ewig an einem Berghang abwärts, überhaupt einen Platz für die Zelte zu finden.

K1600_Schlagloch

Schlaglochgewitter

Schließlich klappte es aber doch! Wir überquerten eine Fußgängerhängebrücke und fanden an der anderen Flussseite eine Lagerplatz der Katergorie „unvergesslich“ – vor allem wegen der abenteuerlichen Brücke.

K1600_Hängebrücke

Hangover

Unerwartet werden wir jedoch am anderen Tag für die Schlaglochmühen entschädigt, aber wie.

Die schönste Straße/Piste die ich bisher gefahren bin war die „White Rim“ im Canyonland-Nationalpark in Utah. Heute kommt völlig unerwartet ein Pass hinzu, der es mit der White Rim aufnehmen kann.

Auf dem 4720 m hohen Abra Yanashalle Pass biegen wir nach rechts ab in den Pass Punta Huarapasca (4780 m). Schon nach einem Kilometer raubt es uns den Atem – wir biegen um die Ecke und haben einen ersten Blick auf die vergletscherten Berge unseres nördlichsten Ziel der Reise, der Cordillera Blanca. Die Streckenführung ist unfassbar, die Ausblicke auf die Berge unbeschreiblich. Wir kommen kaum voran. Immer wieder halten wir zum fotografieren.

K1600_Cordillera1

67 km Schotter, wir treffen keine Menschenseele. Die Ruhe ist unbeschreiblich. Um uns herum majestätische Berge. Wir sind einfach nur glücklich!

K1600_Cordillera2

In der Abfahrt vom Pass können wir noch ein Blick auf die Puya Raimondii, eine Riesenblume, die leider jetzt im Herbst nicht mehr blüht, die in Peru und Bolivien in einer Höhe zwischen 3500 und 4500 m beheimatet ist.

K1600_Riesenblumen

Puya Raimondii

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Caraz und finden schnell eine gute Lodge.

Morgen wir wollen wir Cordillera Blanca zweimal durchqueren.

30.05.2016 Panne und begrenzte Trennung

Samstag, 28.05.16 (41. Tag)

Kurz vor 11 Uhr passiert es: Hermann übersieht einen faustgroßen Stein und brettert mit ca. 80 km/h voll darüber. Er ist in diesem Moment Vorletzter und bleibt sofort stehen. Ich bin Schließender und erkenne sofort, dass er nicht wie üblich zum Fotografieren hält, sondern dass etwas passiert ist und halte neben ihm. Der Vorderreifen ist platt, die Stahlfelge hat etwas ab bekommen: „I hab an Stoa übesehn, forst die anderen nach!“

K1600_Stein

Der Ursprung allen Übels

Ich gebe ordentlich Gas und hole sie nach 10 km ein und wir fahren zurück zu Hermann.

K1600_Felge

Die Felge ist hin

Joe, unser Chefmechaniker, besieht sich den Schaden und versucht zuerst mit unserm Zelthammer die Felge wieder halbwegs gerade zu bekommen, ohne Erfolg.

Schließlich montiere ich den Reifen hinten bei mir auf der Queen und fahre zusammen mit Joe eine Werkstatt suchen.

K1600_Monteuer

Beim Monteur

Hier gibts auch noch ein Video zur peruanischen Monteursgewalt

Der Monteur versucht es zuerst mit roher Gewalt, nutzlos, auch er bekommt die Felge nicht gerade und zieht dann den Ersatzschlauch, den Hermann Gottseidank dabei hat, ein.

Wir können weiter.

16.00 Uhr: Wir stehen auf 4600 m auf einem Pass, halten kurz und als wir weiter, wieder runter ins Warme, wollen, ist Hermanns Hinterreifen ebenfalls platt. Auch die Hinterradfelge hat was ab bekommen und so ist auch hier, zwar langsam, die Luft entwichen.

K1600_Hinterrad

Nun ist auch noch der Hinterreifen platt

Mit dem Kompressor bringen wir wenigstens soviel Luft rein, dass wir unter 4000 m kommen und ziehen dann dort im Dunkeln neben den Zelten den zweiten Schlauch ein.

K1600_Nachts

Nachtmontage

Auch Joes Vorderradfelge hat schon eine gehörige Delle, er hat schon vor Tagen ein „Monsterschlagloch“ übersehen. Auch er muss ständig Luft nachfüllen, hatte aber Glück im Unglück, dass seine Alufelge nicht gebrochen ist.

Nun infomieren uns Hermann und Joe, dass sie nicht mit uns in die Cordillera Blanca fahren möchten, sondern schon jetzt Richtung Lima an den Pazifik wollen. Dort soll es wärmer sein.

Wir verabreden uns für Nascar und so setzen Karl und ich am nächsten Tag die Reise Richtung Norden alleine fort.

30.05.2016 Im Rausch der Anden – 5 Tage – 1700 km – 32453 Kurven – 1423 Kehren

Donnerstag, 26.05.16 (39. Tag) bis Montag, 30.05.16 (43. Tag)

Tagesablauf:

Wecken 6 Uhr, Kaffee kochen, kurzes Frühstück

Abfahrt meist kurz nach 8 Uhr

Pausen zum Tanken, Essen oder Wasser kaufen, Mittagspause

ab 17 Uhr Suche eines Lagerplatzes

Zeltaufbau, Abendessen (Einbruck der Dunkelheit gegen 18 Uhr)

spätestens ab 19 Uhr wegen der Kälte ab in die Zelte

 

Es geht nur bergauf und bergab. Kurve reiht sich an Kurve. Das Wetter ist ein Traum, nur Sonne.

K1600_Andenrausch1

Das Fahren geht automatisch, aus dem Unterbewußtsein. Du wirst eins mit der Maschine, eine Einheit. Der Verkehr ist nie, außer in den stinkenden Städten, zuviel, doch die lassen wir nun schnell hinter uns. Die Anden gehören für 5 Tage uns! Süchtig nach Kurven!

K1600_Andenrausch2

Irgendwie habe ich das Gefühl, jetzt, endlich, sind wir angekommen. Das ist genau das, was ich wollte. Endlich raus aus den Städten, weg von den vielen Leuten, Natur pur.

K1600_höchster Pass

Am höchsten Pass Südamerikas

Abends das Zelt aufbauen und dann meist schnell in den warmen Schlafsack. Mehrmals übernachten wir an der 4000 m Marke und da gibt es nachts fast immer Frost.

K1600_Schatten

Noch im Schatten

Natürlich, ich gebe es gerne zu, ist es kein allzu großes Vergnügen, nach Tagesanbruck gegen 6 Uhr aus dem warmen Schlafsach zu krabbeln und das Zelt zu verlassen, aber das gehört dazu. Oder mitten in der Nacht aufs Klo zu müssen. Aber keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, was es für ein göttliches Gefühl ist, wenn dann um 7 Uhr die Sonne hinter den Bergen hervor kommt und du 15 Minuten später die dicke Motorradjacke weg legst und plötzlich im T-Shirt das Zelt abbaust.

K1600_Sonne

Göttliche Sonne und Wärme

Die Landschaft um uns herum wechselt fast im Viertel-Stunden-Takt. Wir können uns nicht an den Farben und der unglaublichen Weite der Landschaft satt sehen. Wir haben aufgehört, die 4000m-Pässe zu zählen. Der Staßenbelag wechselt von traumhaft bis zu groben Schotter und Schlagloch-Stakkato. Es ist einfach alles dabei.

Motorradfahren in Reinkultur!

 

 

24.05.2016 Machu Picchu

Dienstag, 24.05.16 (37. Tag)

Gestern sind wir mit Bus und Bahn von Cusco aus hierher nach Aguas Calientes angereist. Dies ist der Ausgangsort für den Besuch von Machu Picchu. Ein furchtbarer Touristenort, total überteuert.

Die Fahrt mit dem Zug, einer Schmalspurrumpelbahn, wie ich sie bisher nur in Korika erlebt habe, durch das Urumbambatal war dagegen ein Erlebnis. Für die ca. 80 km werden knapp zwei Stunden benötigt. Km um Km geht es tiefer, es wird zusehens wärmer und auch die Luftfeuchtigkeit nimmt wieder zu. Wir kommen noch einmal in einen dschungelartigen Bergwald, der aber gegenüber Rurrenabaque einen Vorteil besitzt: KEINE MOSQUITOS!

Abends begehen wir dann einen entscheidenden taktischen Fehler: obwohl wir wissen, dass der Wecker bereits um 4 Uhr läuten wird, wir wollen mit als Erste oben in der Ruinenanlage sein und dort den Sonnenaufgang erleben, versumpfen wir zum ersten Mal auf der Reise richtig.

Nach dem Abendessen schließt sich eine Runde halb Caipirinha, halb Bier nach der anderen an. Der eine möchte den Frust vom verpassten Clubaufstieg runter spülen, der andere, der mit dem crazy Austrian-Mega-Schnarcher ein Zimmer hat, hat Angst, dass er die ganze Nacht kein Auge zu bekommt und der Rest säuft anstandshalber mit. Es ist schon fast Mitternacht, als wir im Bett sind.

Trotzdem gehts um 4 Uhr raus aus den Federn. Es gibt zwei Alternativen, um hoch zu kommen: 12 Dollar für eine Busfahrt oder viel Energie für 1750 Treppen, um die über 400 Höhenmeter zu bewältigen. Wir haben uns schon zuvor für den Fußmarsch entschieden. Kurz bevor wir oben sind, beginnt es zu dämmern.

K1600_Fußmarsch

1750 Stufen hoch – für Motorradfahrer ein Horror

Karl braucht eine dreiviertel Stunde, Joe und ich etwa eine Stunde, Hermann 1 1/2 Stunden, meint aber oben: “ So schlecht bin ich doch nicht beinander, hearst. Jetzt bin ich 55 Jahre alt und rauche jeden Tag 60 Marlboro, und lasse einige junge Mädchen hinter mir.“

K1600_Wächter

Die Wächter von Machu Picchu

Der Reiseführer hat uns schon lange den Mund wässrig gemacht: „Der Besuch der inkaischen Felsenstadt Machu Picchu gilt als Höhepunkt jeder Perureise und ist die Attraktion Südamerikas schlechthin. Wer Machu Picchu nicht gesehen hat, hat scheinbar Peru nicht gesehen und damit auch nicht die kulturelle Ebenbürtigkeit und Genialität des Inkareiches gegenüber damaligen europäischen Kulturen erfahren.“

Über Machu Picchu gibt es noch viele Rätsel. Fest steht, dass sie um 1450 erbaut wurde und bis zu 1000 Menschen beherrbergt hat. Die meisten der Wohnhäuser und Tempel sind bis heute gut erhalten. Wahrscheinlich diente sie, aufgrund ihrer strategischen Lage, als Zuflucht- und Festungsort.

K1600_Machu Picchu

Der Postkartenblick

Wir verbringen Stunden in der Anlage und es gibt nur einen kleinen Wermuthstropfen. Beim Betreten geht man von unten her in Anlage und so erschließt sie sich einem erst langsam dieser unfassbare Postkartenblick. Wäre der Eingang von oben her und man hätte diesen gleich, dann wären wir wieder einmal so weit: er würde dir den Atem nehmen.

K1600_Terassen

Abends sind wir fetzenhin – ich bin noch nie an einem Tag soviele Treppen gesteigen.

23.05.2106 Shit – Nosostros somos el Glubb

0:1 – wie sollen wir da unseren Titel als Rekordabsteiger festigen, wenn wir nicht mal aufsteigen. KOPF HOCH – ich glaube, wir sind trotzdem auf dem richtigen Weg! Aber tut selbst hier in Peru noch weh (doch, soviel ich mitbekommen habe, war es letztlich verdient).

club

22.05.16 Valle Sagrado de los Incas

Sonntag, 22.05.16 (35. Tag)

In der Umgebung um Cusco gibt es viele, meist gut erhaltene Ruinen aus der Inkazeit. Nachdem wir erst am Montag nach Machu Picchu aufbrechen, aufgrund unseres Alters haben wir die bequeme Alternative mit dem Zug gewählt, wollen wir uns heute einige dieser Anlagen ansehen. Aufgrund der Fruchtbarkeit und des besonders milden Klimas war das Valle Sagrado de los Incas, das geheiligte Tal der Inkas, von großer Bedeutung und somit ist das unser Ziel.

Von Cusco aus führt der Weg dorthin über Chinchero, dort hatten die Inkas ihren Sommersitz. Wir haben Glück, denn nur am Sonntag findet hier ein großer Indiomarkt statt und den lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

K1600_Markt

In Moray befand sich zur Inkazeit ein Landwirtschaftszentrum. Bis vor 50 Jahren wurden auf den Terrassen Kartoffel und Gerste angebaut.

K1600_Ackerbau

Nicht weit von Moray entfernt liegt Maras und die Salzterrassen dort sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Becken sind eingefasst von Salzkrusten und werden von einer sehr salzhaltigen Quelle gespeist. Die Salzgewinn erfolgt von Mai bis Oktober. Frauen und Kinder hacken mühsam die Salzschollen los, die die Männer dann in Säcken fort schleppen.

K1600_Salz

Unser letztes Ziel ist die Inkafestung Ollantaytambo, die strategisch günstig gelegen war, um das heilige Tal zu schützen. Die unten im Tal gelegene Stadt Ollanta ist die einzig verblieben Stadt aus der Inkazeit und ist mit den damaligen Grundrißen nahezu identisch.

K1600_Festung

 

21.05.16 CUSCO

Samstag, 21.05.16 (34. Tag)

CUSCO!

„Die auf 3430 m Höhe gelegene Stadt ist nicht nur die schönste und abwechslungsreichste Stadt Perus, sondern auch, aufgrund ihrer historischen Bedeutung, die wohl interessanteste Stadt Südamerikas. Einst die Hauptstadt und das Herz des Inka-Imperiums war Cusco der Nabel der Welt und mindestens so mächtig und wohl auch reicher als das alte Rom,“ so der Reiseführer und dem ist nichts hinzu zu fügen.

Wir sind wirklich begeistert. Im Gegensatz zu den Städten in Bolivien ist hier nicht alles am Verfall, hier wird etwas getan. Es ist einfach nur ein Traum, dem Reiseführer zu folgen und durch die Stadt, die auch den Verkehr immer wieder ausschließt, zu wandern.

Ich lasse diesmal Bilder sprechen:

K1600_Paza de Armas

Plaza de Armas

 

K1600_Gasse

 

K1600_Peruanenrinnen

 

K1600_Zeugnis

Steinquader aus der Inka-Zeit

K1600_L1030149

 

 

K1600_L1030148

 

 

21.05.2016 Qu’eswachaka

Freitag, 20.05.16 (33. Tag)

Wir warten mit dem Aufstehen, bis die Sonne aufgegangen ist und die Zelte erwärmt. Die Nacht war wirklich bitterkalt, doch ich habe eine gute Ausrüstung und bin auf Temperaturen bis – 10 Grad eingestellt. Anders geht es Hermann, der seine verlorene Campingausrüstung in Sucre ergänzen musste. „Scheiße, laute Klump. Mann hab ich gefroren!“

Unser Gastgeber, ein alter Bauer, bringt uns zum Aufwärmen Kokatee und kann es nicht fassen, wie wir die Nacht in den Zelten überlebt haben. Zum Abschied sagt er immer „Imagen“ zu uns. Wir glauben, er möchte sich mit uns fotographieren lassen, tun das auch und in unserer Unwissenheit fragen wir ihn, der in einer total einfachen Hütte haust, nach seiner Mailadresse, um ihm die Bilder zu schicken. Natürlich hat er gar kein Internet. Aber lässt nicht locker: „Imagen“ und ist erst zufrieden, als er von jedem von uns ein Passbild bekommt und die wie einen Schatz schnell in Sicherheit bringt. Zum Abschied winkt er uns nach.

K1600_Hrermann erklärt

Hermann erklärt unserem Gastgeber, dass sein Wasser gefroren ist

Es wird heute wieder einer dieser Traummotorradtage. Es passt einfach alles: Straße, Wetter, aber vor allem die Landschaft. Wir erleben einen Rausch in Gelb und Ocker. Ich liebe diese Farben und habe sie zum ersten Mal in dieser Intensität in der tibetischen Hochebene erleben dürfen.

K1600_Gelb

Flamingos und Gelb, Gelb, Gelb …

Auch heute haben wir wieder einen kleinen Umweg von 100 km eingeplant. Wir wollen zu einer Hängebrücke:

Die Hängebrücke Qu’eswachaka hat eine Länge von 28 Meter. Sie besteht vollständig aus geflochtenem Gras. Die Brücke ermöglicht es mehreren hundert Einwohnern der Umgebung, den Fluss zu überqueren. Die Brücke wird jedes Jahr im Juni neu errichtet und besteht in dieser Form schon seit etwa 500 Jahren. Zur Errichtung kommen jährlich etwa 700 Menschen der Umgebung zusammen. Die Frauen flechten die Seile dabei aus Ichu-Gras, die Männer verknüpfen die Seile zur Brücke. Nach Vollendung der Brücke wird diese von Priestern geweiht und es wird ein Fest veranstaltet Die Brücke gilt als letzte funktionierende Hängebrücke der Inka.

K1600_Hängebrücke

Die Qu’eswachaka

Als wir die Brücke durch eine abenteurliche Landschaft erreichen, trauen wir unseren Augen kaum. Und da kann man wirklich rüber? Was da unser TÜV sagen würde. Karl und ich wagen es schließlich und ich gebe zu, ein wenig Muffensaußen war unbedingt dabei.

K1600_Der Beweis

Der Beweis

Als wir wieder auf der 3S sind, beginnt es bereits, dunkel zu werden und es fehlen uns noch 100 km bis Cusco. Und die werden zu einer Qual. Jeder Peruaner fährt anscheinend ständig mit Fernlicht. Von Km zu Km nimmt der Verkeht zu und Cusco empfängt uns mit Stau und unvorstellbaren Abgasen. Wir brauchen drei volle Stunden und finden zum Glück schnell ein Hotel. Doch am anderen Tag soll uns Cusco sein anderes Gesicht zeigen.

Hier gibts noch das spezial Hängebrückenvideo

 

 

21.05.2016 La Rinconada – die höchste Stadt der Welt

Donnerstag, 19.05.16 (32. Tag)

Um 9 Uhr verlassen wir Puno, es geht Richtung Cusco, der uralten Inka-Metropole.

Auf der super ausgebauten 3S kommen wir zügig voran. Wir haben zwei Tage bis Cusco eingeplant, wäre wahrscheinlich auch an einem machbar gewesen, aber wir machen noch einen ganze besonderen Umweg – wir wollen nach La Rinconada, der höchstgelegenen Stadt der Erde (5100 m).

Die Stadt ist durch die nahegelegene Goldmine entstanden und angetrieben durch den stark angestiegenen Goldpreis ist die Einwohnerzahl innerhalb von acht Jahren um 235 % auf ca. 40.000 angestiegen.

Viele Bergarbeiter arbeiten in der Goldmine unter dem System des so genannten cachorreo. Dabei arbeiten sie 30 Tage lang ohne Entgelt für die Bergbaugesellschaft, die Corporación Ananea. Am 31. Tag dürfen sie dafür so viel Gestein aus der Mine mitnehmen, wie sie auf den Schultern tragen können. Wie viel Gold sich im Gestein befindet, ist Glückssache.

K1600_Auf dem Weg

Auf dem Weg nach La Rinconada

Durch eine abwechslungsreiche Landschaft klettern wir schnell höher und sehen schon aus großer Entfernung einen vergletscherten Berg. Direkt unter dem Eis spiegelt sich eine größere Fläche in der Sonne. Soll das die Stadt sein, so weit oben, wir können es nicht glauben.

K1600_La Rinconada

La Rinconada – direkt unter dem Gletscher

Km um Km kommen wir näher, längst ist der Asphalt hartem Schotter gewichen und langsam glauben wir es wirklich – das ist tatsächlich La Rinconada.

Die letzten Km werden dann zur Tortur. Berge von Müll zu beiden Seiten der Straße. Der Gestank ist unerträglich und leider sieht es auch in der Stadt nicht viel besser aus.

K1600_Müll

Berge von Müll – der Gestank unerträglich

Aufgrund mangelnder Kanalisation sind die hygienischen Verhältnisse verheerend. Hinzu kommt eine starke Belastung durch die Aufarbeitung von Golderz, insbesondere durch Quecksilber.

Ich bin entsetzt, geschockt, das ist die größte Kloake, die ich bisher gesehen habe. Und natürlich leben hier auch Kinder. Wir sehen Schulkinder, die sich ihren Weg durch den Müll bahnen und überall der Gestank. Es gibt hier auch sehr viele Prostituierte, es ist nicht anders wie früher im Wilden Westen, dort wo Gold gefunden wird …

K1600_Schulkinder

Schulkinder bahnen sich ihren Weg durch den Müll

Ich habe nur einen Gedanken, so schnell wie möglich wieder weg (ich Glücklicher, ich kanns mir aussuchen). Mir tun die Menschen leid, die sich das antun (müssen?). Ich denke an ein Lied von Haindling, ich glaube es heißt der Mond, in dem der Mond über die Dummheit der Menschen lacht und auch an den Dalai Lama, der genau das Gleiche tut. Was werden hier aus Geldgier für Umweltsünden begangen? Unfassbar.

Abends finden wir einen Lagerplatz, den ich erstmals auf der Reise in meine eigene Kategorie (schön, wunderbar, unvergesslich) in schön bis wunderbar einteilen würde. In einem weiten Tal, direkt neben einem kleinen Bauernhof.

K1600_Lagerpaltz

Der erste Lagerplatz, der den Namen auch verdient

Um 18 Uhr ist es stockdunkel und es wird kalt. Das Thermometer sinkt in der Nacht auf -5 Grad. Schnell verziehen wir uns in die warmen Schlafsäcke.

18.05.2016 In Peru – die schwimmenden Inseln

Mittwoch, 18.05.16 (31. Tag)

Gestern sind wir um 9 Uhr von Copacabana aufgebrochen und schon eine viertel Stunde später standen wir an der Grenze zu Peru. Schön langsam pendelt sich unser Grenzübertrittsschnitt auf drei Stunden ein. Auch dieses Mal hätte es sehr viel schneller gehen können, hier ist Gedult gefragt. Es waren nicht die Passformalitäten, die uns aufhielten, erneut war es die Registratur der Bikes. In dem peruanischen Büro saß ein älterer Herr, der alles peinlichst genau in ein uraltes, dickes Buch eintrug und sich dabei Zeit ließ, Zeit ließ, ….

Gegen 12 Uhr wars schließlich geschafft, hatte uns dieses Mal aber nicht sonderlich genervt, denn es standen gestern nur 145 km bis Puno, das am anderen Ende des Sees liegt, auf dem Programm.

K1600_Flamingos

In Peru sehen wir die ersten Flamingos

Die Uhr wurde nochmals um eine Stunde zurück gedreht und so beträgt der Zeitunterschied zu Europa inzwischen 7 Stunden. Gegen halb drei erreichten wir Puno und quartierten uns in einem Viersterneluxustempel ein. Das Eiskeller-Hotel von Copacabana hatte Spuren hinterlassen.

Schnell merken wir, dass zwischen Bolivien und Peru ein großer Unterschied besteht. Die Menschen sind viel offener, es gibt plötzlich wieder Wegweiser am Straßenrand, die Häuser sehen um einiges besser aus und es gibt wirklich super Suppen (noch dazu in richtig großen Schüsseln).

Nach unserem ersten Frühstück im neuen Suppenliebhaberland werden wir um 9 Uhr am Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht – wir wollen zu den schwimmenden Inseln der Urus.

K1600_Insel der Urus

Eine der Urus-Inseln

Die Urus sind eine ethnische Gruppe Indigener am Titticacasee. 2000 Urus leben auf derzeit 49 „schwimmenden Inseln“, die sie aus getrockneten Totrora-Schilf herstellen. Dieselbe Pflanze ist unter anderem auch Rohstoff für Schilfboote und den Häusern auf den Inseln. Sie leben von der Fischerei und von bunten Decken, die sie an Touristen verkaufen. Doch die Mehrzahl hat die Inseln verlassen und wohnt inzwischen auf dem Festland.

K1600_Ernährung der Urus

Hier zeigt der Guide anschaulich, von was sich die Urus ernährern

Die Fahrt mit dem Boot dauert nicht lange, nur 5 km liegen die Inseln vor Puno. Auf der Insel, die wir besuchen, leben 5 Familien und insgesamt 25 Personen. Zu Beginn erfahren wir, wie die Inseln gebaut wurden und wie die Menschen hier leben. Natürlich ist alles sehr touristisch, aber wir bekommen doch einen Einblick, auf welche einfache Art hier gelebt wird.

K1600_handarbeit

Verkauf der Handarbeiten ist eine der Erwerbsquellen

Morgen werden wir den Titticacasee, der uns so gut gefallen hat, verlassen. Es geht in die Berge, Richtung Cusco.